Jahrelang bin ich am Clink Prison, unweit der Golden Hinde zwischen Borough Market und Shakespeare Globe Theater, vorbei gegangen und habe mich gefragt, ob sich ein Besuch wohl lohnt. Von außen sah es immer ganz ansprechend aus und auch das Gefängnis-Thema machte mich neugierig. Nach etwa 15 Jahren des Überlegens, habe ich nun endlich den Weg in das „Museum“ gefunden.
Worum geht´s?
The Clink Prison ist ein Museum, das sich ganz dem gleichnamigen historischen Gefängnis verschrieben hat. In der Nachbarschaft der Golden Hinde an der Südseite der Themse, befindet sich das Gefängnismuseum in Teilen des historischen Clink Prison im Keller.






Doch was ist oder besser war das Clink Prison überhaupt? Im Grunde handelte es sich um ein kirchliches Gefängnis. Der Bischof von Winchester und Bruder von King Stephen, Henry of Blois, errichtete zwischen 1144 und 1149 in Southwark eine Stadtresidenz, den Palace of Winchester. Immerhin hatte er als Mitglied der königlichen Familie und wichtiger Bischof auch stets in London zu tun und musste wichtige Amtsgeschäfte wahrnehmen. Entsprechend fiel die Gerichtsbarkeit des Viertels (Liberty) auch Henry of Blois zu. Entsprechend benötigte man in dem Palast auch ein Gefängnis. Aber nicht nur die Bewohner der Bankside machten Bekanntschaft mit dem Gefängnis, auch unliebsame Kleriker (je nachdem, wer gerade an der Macht war waren die Insassen eher Protestanten/Anglikaner oder Katholiken) saßen dort ein.
Das Leben im Clink war hart. Nicht nur, dass es in mittelalterlichen Gefängnissen sowieso wenig zimperlich zuging, die Gefangenen zahlten den Wärtern auch Geld für ihre „Unterkunft und Verpflegung“. Je mehr Geld man hatte, desto besser waren die Bedingungen der Haft. Es war somit nicht verwunderlich, dass einige aus den Fenstern des Kerkers heraus bettelten oder Prostitutierte auch im Kerker dem Beruf nachgehen mussten, wegen dem sie eingesperrt waren.
Als im Jahr 1649 der Palast nicht mehr von der Kirche benötigt und veräußert wurde, ging auch das Clink in öffentlichen Besitz über. Es verlor schnell an Bedeutung und spätestens 1780, als der Winchester Palace während der sogenannten Gordon Riots zerstört und nicht wieder aufgebaut wurde (heute steht nur noch eine Mauer in der Clink Street), war das Clink Prison passé. Seinen Namen allerdings vermutet man in dem Geräusch, das die Hammerschläge der Schmiede machte, wenn die Gefangenen in Ketten gelegt wurden.







In Nachbarschaft des alten Kerkers gibt es nun also das Clink Prison Museum. In den alten Kellergewölben sind mit Puppen verschiedene Szenen aus dem Mittelalter dargestellt, die das Leben in der Stadt und vor Allem im Gefängnis illustrieren sollen, während Infotafeln die Geschichten dazu erzählen. Darüber hinaus sind aber auch viele andere Exponate ausgestellt – alles, was man so in einem Kerker brauchte: von Folterwerkzeugen über Ketten und Fußfesseln bis hin zu Rüstungen oder Waffen der Wärter. Vielleicht traut ihr euch ja am Ausgang in den Sarg zu fassen, ohne zu sehen, was darin auf euch wartet…
Etwas Besonderes haben die Betreiber zusammen mit der Website hauntedhappenings entwickelt. Zu ausgewählten Terminen könnt ihr eine ganze Nacht im Gefängnis verbringen, inkl. Geisterjagd etc.
Anreise, Öffnungszeiten, Eintrittspreise
Das Clink Prison liegt auf der Südseite der Themse, zwischen London Bridge/Borough Market und dem Shakespeare Globe. Mit der Jubilee oder Northern Line fahrt ihr bis zur Tube-Haltestelle London Bridge. Von hier sind es etwa fünf Minuten Fußmarsch – ggf. führt euch euer Weg über den Borough Market, der immer wieder einen Besuch wert ist. Ihr erreicht die gleichnamige Bushaltestelle übrigens mit den Linien 21, 35, 47 oder 133.
Wenn ihr von der anderen Seite kommt, könnt ihr auch von St. Paul´s aus über die Milleniumsbridge spazieren und euch dann an der Themse entlang vorarbeiten. Die Adresse ist: 1 Clink St, London SE1 9DG.
Die Eintrittspreise sind für Londoner Verhältnisse noch moderat. Man muss bedenken, dass es sich hier um ein privates Museum handelt, wie etwas das London Transport oder das Jack the Ripper Museum, das nicht staatlich subventioniert wird. Deshalb kann es nicht, wie etwa das Science oder das Britische Museum, kostenlos angeboten werden. Hier die Preise, stand 07/2023

Die Öffnungszeiten sind sich leicht zu merken. Das Museum steht Besucherinnen und Besuchern jeden Tag von 10-18 Uhr offen.
Fazit: Lohnt es sich?
Das Museum wirkt von außen etwas cooler, als es letztlich ist. Der Käfig über dem Eingang und das Fallgitter lässt einen Schauriges vermuten. Und in der 1980er Jahren war es das sicherlich auch. Will sagen: Das Clink Prison ist etwas in die Jahre gekommen und entspricht nicht mehr so ganz dem state of the art. Aber das strahlt gleichzeitig auch einen gewissen Flair aus. Man sieht, dass sich Menschen beim Einrichten der alten Kellergewölbe Gedanken gemacht haben und sich Mühe gaben, das Thema plastisch darzustellen.

Als Erwachsener konnte ich mich gut ein Stündchen dort aufhalten. Die Infos sind ganz gut zusammengefasst und aufbereitet. Wenn es allerdings um den Gruselfaktor geht, wäre es eher etwas für Kinder im Grundschulalter. Da sind die 6 bzw. 8£ nicht so schlecht angelegtes Geld. Vor Allem dann nicht, wenn man das Clink Prison bei seinem Southbank – Besuch „mitnimmt“. Nur für das Museum würde ich keine längeren Strecken machen. Da es in der Gegend aber sowieso viel zu entdecken und zu sehen gibt, kann man durchaus überlegen, den Eintritt zu investieren. Man sollte nur nicht zu viel erwarten!

2 Kommentare zu „Clink Prison: das mittelalterliche Gefängnis“