Wer schon einmal den Roman „Das verlorene Symbol“ von Dan Brown gelesen oder die Simpsons-Folge über die „Steinmetze“ gesehen hat, ist den Freimaurern wahrscheinlich schon begegnet. Bis heute ranken sich zahlreiche Mythen um die Bruderschaft. Doch was steckt wirklich dahinter? Im Museum of Freemasonry in London kann man sich selbst ein Bild machen. (aktualisiert 07/2026)
Wer sind die Freimaurer
Sie umweht bis heute der Ruf von geheimnisvoller Exklusivität, Macht und Einfluss – obwohl viele gar nicht genau wissen, wofür die Freimaurer eigentlich stehen. Ihre Wurzeln reichen bis ins 13. Jahrhundert zurück, als sich in England aus den Steinmetzgilden erste Logen entwickelten. Als Geburtsstunde der modernen Freimaurerei gilt jedoch der 24. Juni 1717, als sich vier Londoner Logen zur ersten Großloge Englands zusammenschlossen. Der Johannistag ist deshalb bis heute ein wichtiger Feiertag der weltweit schätzungsweise 2,6 bis 5 Millionen Freimaurer.
Die Freimaurerei – von ihren Mitgliedern als „königliche Kunst“ bezeichnet – versteht sich als Gemeinschaft, die Werte wie Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität pflegt. Geheimhaltung gehört dabei eigentlich nicht zu ihren Grundsätzen. Da der freie Gedankenaustausch jedoch über Jahrhunderte nicht überall willkommen war, vereinbarte man früh, dass Inhalte aus den Logentreffen vertraulich bleiben. Dieses Prinzip sorgt bis heute für zahlreiche Mythen und trägt unter anderem zum schwierigen Verhältnis mit einigen Religionsgemeinschaften bei.
Viele Rituale sind inzwischen dennoch bekannt. Historische Quellen wie das Regius-Manuskript aus dem 14. Jahrhundert geben Einblicke in Traditionen und Zeremonien. Ein zentraler Bestandteil des Logenlebens ist die sogenannte Tempelarbeit, bei der Vorträge gehalten und anschließend im Rahmen der Tafelloge diskutiert werden. Rituale und feste Abläufe prägen das Freimaurerleben bis heute.
Mindestens ein halbes Jahr lang nehmen Anwärter an Gästeabenden teil und sollen die Werte der Freimaurerei im Alltag leben. Nach einem Aufnahmegespräch entscheidet eine Kommission über die Zulassung, bevor die Loge geheim abstimmt. Da die Mitgliedschaft nicht vom Einkommen abhängen soll, können Beiträge, Kleidungskosten oder Abgaben bei Bedarf erlassen oder gestundet werden.
Die freimaurerischen Ideale sollen jedoch nicht auf die Loge beschränkt bleiben: Viele Mitglieder engagieren sich karitativ, fördern Bildung und den freien Gedankenaustausch. Gerade der Einfluss einzelner Freimaurer in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft bot jedoch immer wieder den Nährboden für Verschwörungstheorien.
Auch Kunst und Kultur wurden vom Freimaurertum geprägt. Bekannte Beispiele sind Mozarts Oper „Die Zauberflöte“, Kiplings Roman „Der Mann, der König sein wollte“ oder Goethes Gedicht „Symbolum“, das er für eine Weimarer Freimaurerloge verfasste.
Das Freimaurermuseum in der Freemansons Hall
Wer nun wissen möchte, wie viel Wahrheit hinter den Mythen steckt und welche Spuren die Freimaurer in London hinterlassen haben, sollte einen Blick in die Freemasons Hall werfen.
Seit 1775 gibt es ein Gebäude der Freimaurer in der Great Queens Street und bereits 1841 wurde an dieser Stelle das erste Freimaurermuseum eröffnet, bestückt mit von den Mitgliedern gestifteten Ausstellungsstücken. Das heutige Gebäude existiert seit dem Jahr 1933. Seitdem wurde eine Bibliothek, das Museum und die Tempel der Logen im Großraum London angeschlossen.
Es versteht sich von selbst, dass ein Gebäude mit diesem Stellenwert auch nach außen repräsentieren muss und das ist auch so. Allein die Architektur von Henry Victor Ashley und Francis Winton Newman ist beeindruckend – sowohl von innen, als auch von außen. Das führte unter anderem dazu, dass das Gebäude auch als Set für verschiedenste Serien und Filme genutzt wurde: Johnny Englisch, James Bond: Spectre oder Assasin´s Creed wurden dort gefilmt, wie auch Folgen von The Crown oder Whitechapel.




Während in den ersten 50 Jahren die Bibliothek exklusiv den Logenmitgliedern vorbehalten war, erfuhren Museum und Bibliothek bis in die 90er immer weiter gehende Öffnungen. Und spätestens seit die Sammlung des Museum of Freemasonry und die Bibliothek 1996 in eine Stiftung umgewandelt wurden, stand das Haus auch der Öffentlichkeit zur Verfügung.
Ihr findet im Museum jede Menge Zeremonialutensilien, Kunstgegenstände, Schmuckstücke, Möbel oder auch Uhren, an deren Beispiel das Leben und wirken als Freimaurer gezeigt wird. Wenn man kulturhistorisch interessiert ist, handelt es sich um spannende Stücke und ebensolche Geschichten. Man erfährt viel über die Geschichte und die Grundideen sowie der Zeremonien der Freimaurer. Auch wenn – natürlicher Weise – das Freimaurertum wenig kritisch und fast durchweg positive dargestellt wird, ist es dennoch spannend.Auch die Bibliothek strotzt vor alten Büchern und historischer Literatur. Hier wird Geschichte geatmet. Und auch der eindrucksvolle Bau unterstreicht eben diesen Eindruck. Wenn ihr wirklich Interesse an den historischen Lektüren habt, könnt ihr euch online registrieren, um auch die Bücher studieren zu können.
Neben den Exponaten und der Bibliothek ist aber die gesamte Architektur spannend. Auch kann man einen Blick in einen der ingesamt 26 Logenräume / Tempel werfen, in denen regelmäßig Treffen stattfinden.
Und wie es so ist: Natürlich könnt ihr im entsprechenden Gift-Shop euch nach Herzenslust mit Mitbringseln oder sogar echten Freimaureruntensilien (z.B. Kleidung) versorgen. Auch erhaltet ihr hier – bei Bedarf – Audioguides des Museums für kleines Geld.
Wenn ihr euch weiter für die Geschichte der Freemasons Hall interessiert, gibt es auf der Homepage eine spannende Timeline.










Anfahrt, Öffnungszeiten, Preise
Das Museum liegt zwischen den U-Bahn-Haltestellen Covent Garden und Holborn. Ihr erreicht beide Haltestellen mit der Piccadilly Line, Holborn zusätzlich auch mit der Central Line. Von den Haltestellen aus sind es nur wenige Minuten Fußweg. Von Covent Garden aus folgt ihr einfach dem Long Acre in östlicher Richtung. Den Weg von Holborn aus findet ihr hier.
Wenn ihr mit dem Bus anreisen möchtet, so könnt ihr an der Haltestelle Kingsway aussteigen. Sie wird von den Linien 1, 59, 68, 91, 168, 171, 188, 243 und 521 bedient.
Die Öffnungszeiten bewegen sich grundsätzlich täglich zwischen 10 und 17 Uhr. Lediglich an jedem ersten Donnerstag im Monat bleibt das Museum bis 20 Uhr für die Besucher geöffnet. Dafür gelangt man zwischen Heilig Abend und dem 03.01. jeweils erst ab 12 Uhr Mittags hinein.
Trotzdem das Museum nicht von der öffentlichen Hand finanziert ist, kostet euch ein Besuch grundsätzlich nichts. Es ist kostenlos, wenn ihr euch auf eigene Faust ein Bild machen wollt. Es werden aber auch regelmäßig Touren durch das Museum oder die Grand Lodge angeboten. Diese 55-Minütigen Führungen kosten pro Person 14,00£; hier könnt ihr buchen.
Fazit
Ich fand das Museum allein der Architektur wegen beeindruckend. Vor Allem, da ich nicht wirklich ein Bild vom Freimaurertum hatte, war der Einblick durchaus spannend. Die ausgestellten Artefakte erzählen ganze Familiengeschichten und sind gut beschrieben. Mich hat vor Allem auch die Bibliothek beeindruckt.
Was mich am meisten überrascht hat, war gar nicht die Geschichte der Freimaurer, sondern der Ort selbst. Hinter der eher unscheinbaren Fassade öffnet sich ein Gebäude, das zwischen Museum, Tempel und Zeitkapsel liegt.
Wer sich also für Geschichte, Architektur oder einfach ungewöhnliche Museen interessiert, sollte dem Museum of Freemasonry unbedingt eine Chance geben. Es kostet keinen Eintritt, liegt zentral zwischen Covent Garden und Holborn und gehört für mich zu den unterschätztesten Museen Londons.
Ich würde etwa eine bis zwei Stunden dort veranschlagen. Dann hat man sich ausgiebig mit der Geschichte und den Gebräuchen der Freemasions beschäftigt, vielleicht im Café einen Kaffe oder Tee zu sich genommen und die Architektur bewundert.
Insgesamt ist das Museum also durchaus einen Abstecher wert, wenn ihr sowieso am Covent Garden seid, oder etwa gerade das Bow Street Police Museum besucht habt.
👉 TIPP: Mehr um das Viertel Covent Garden und welche Attraktionen und Sehenswürdigkeiten es bereit hält, findet ihr in diesem Übersichtsartikel hier im Blog.
Das Freimaurermuseum London im Überblick:
| Kategorie | Bewertung |
|---|---|
| Ausstellung | ⭐⭐⭐⭐☆ |
| Architektur | ⭐⭐⭐⭐⭐ |
| Preis-Leistung | ⭐⭐⭐⭐⭐ |
| Familien | ⭐⭐⭐☆☆ |
| Geheimtipp | ⭐⭐⭐⭐⭐ |
| Dauer | 1–2 Stunden |
| Meine Gesamtwertung | ⭐⭐⭐⭐☆ |
2 Kommentare zu „Geschichten von Zirkel und Winkeleisen: Das Freimaurermuseum London (Museum of Freemasonry)“