London Postal Museum

Ein Postmuseum? In London? Einer Stadt, die 1001 Dinge in Sachen Kultur, Geschichte und Lifestyle zu bieten hat? Das hört sich erst einmal wenig attraktiv an. Was soll so ein Museum schon ausstellen? Briefformate im Wandel der Zeit? Die Briefmarken der letzten 100 Jahre?
Aber weit gefehlt. Das London Postal Museum ist vor allem für die jüngere Kundschaft wirklich gelungen, spannend und interessant.

Das Museum wurde 2018 im Stadtteil Clerkenwell gegründet. Es ging hervor aus den ehemaligen Archiven der Royal British Mail und später dem ersten National Postal Museum, das von 1966 bis 1998 im King Edward Building untergebrach war. Heute ist es von einer Stiftung geführt, wird aber immer noch von der Royal Mail unterstützt – allein, weil auch das öffentliche Archiv immer noch unter der Verwaltung des Museums steht.

Eingang: rechts 🙂

Unterwegs in Zügen mit Glasdach

Wenn man von der U-Bahn-Haltestelle Farringdon (Circle, Hammersmith and City und Metrolpolitan Line) den etwas 10-minütigen Fußweg (google maps) zum Museum hinter sich gebracht hat, tut sich auf der rechten Seite das Gebäude des Postal Museums, dem Mail Ride, auf. Durch den Shop gelangt man unter die Stadt, die Haltestelle der Post-U-Bahn. Hier hat man die Möglichkeit, einen Kilometer des ehemalig 10,5 km langen Post-U-Bahn-Netzes unter der Stadt in einem alten, umgebauten Postzug mit gläsernem Dach zu durchfahren. Wirklich toll gelungen und auch liebevoll gestaltet sind dabei die Multimedia-Stationen in den alten Postumschlagstationen und auch der Audiokommentar im Zug (nur in englischer Sprache) verrät einem einiges Interessantes über das Postwesen zwischen 1927 und dem Jahr 2003. Besonders beeindruckt hat unsere Kinder der laute Knall der „Bombe“ der Bombadierung Londons im 2. Weltkrieg durch die Nazis. Eine Station wurde direkt getroffen. Die Post wurde aber lediglich einen Tag lang nicht befördert. Bemerkenswert.

Im Anschluss daran, gibt es noch einem kleine Ausstellung rund um das Thema Post und Zug. Man kann nicht nur alte Maschinen bewundern, sondern sich auch verkleidet als Briefsortierer in einem alten Waggon verdingen. Damit es auch realistisch ist, wackelt dabei der Boden wie in einem Zug.

Soweit, so nett – aber…

Bis hierhin war der Besuch echt nett. Aber wir dachten: für 17 bzw. 10 Pfund Eintritt (16 und 9 bei online-Buchung) ist das schon etwas wenig. Als wir aber aus dem Museum heraustraten, fiel uns erst auf, dass es noch einen zweiten Bau auf der anderen Straßenseite gab. Hier ging es um die Postzustellung im Wandel der Zeit – von der Kutsche bis hin zum Auto, von der Rohrpost bis zum Telefon. Alles – in guter englischer Tradition – liebevoll mit Geschichten umwoben und in eine spannende, kinderfreundliche und interessante Ausstellung gebracht. So konnten wir uns zum einen quer durchs Museum Rohrpostbriefe schicken, jeder sein eigenes Konterfei auf eine Briefmarke drucken oder sich als Postkutscher verkleiden. Besonders spannend war bei unserem besuch die Sonderausstellung zum großen Postraub von 1963, bei dem die Diebe  £ 2.631.684 erbeuteten – was heute umgerechnet 55 mio. € entspräche. Abschließend ist der Fall immer noch nicht aufgeklärt.

Relativ günstig und offensichtlich ganz gut ist auch das Mittagessen in der öffentlich zugänglichen Cafeteria. Hier waren nicht nur Schulklassen und Touristen unterwegs, sondern auch Einwohner des Viertels verirren sich hier zwischendurch hin um ihr Mittagessen einzunehmen.

Fazit

Was bleibt also? Auch, wenn man es nicht denkt, ist das London Postal Museum echt toll angelegt. Man kann hier locker einen halben Tag verbringen, ohne dass es langweilig wird. Das Highlight ist dabei absolut die Fahrt in der Post-U-Bahn. Für Familien lohnt es sich auf jeden Fall online zu buchen macht hierbei Sinn. Leider gibt es (noch) keine 2in1 – Angebote im Zusammenhang mit Zugtickets. Als Gruppe Erwachsener würde ich vielleicht das Postal Museum auf den Besichtigungsplan setzen, wenn ich z.B. einen London Pass habe, in dem der Eintritt inbegriffen ist. Ca. 200.000 Besuchern pro Jahr können sich nicht irren ;o)

Adresse: 5-20 Phoenix Place London WC1X 0DA
U-Bahn: Farringdon
Bus: Routes 17, 19, 38, 45, 46, 55, 63, 341

Internet: https://www.postalmuseum.org/

Auf meiner persönlichen London-Highlight-Skala: 9 von 10 möglichen Punkten.

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