Das ist schon fast die Gretchenfrage. Fahre ich in London mit der U-Bahn oder mit dem Bus von Station zu Station? Wann lohnt sich welches Fortbewegungsmittel mehr? Sollte ich lieber Bus oder U-Bahn fahren? Welche Unterschiede gibt es? Und wie funktionieren die Systeme überhaupt?
Stand: Aprik 2025
Das System des ÖPNV
Denkt man an London und möchte relativ schnell von A nach B, so scheint die U-Bahn das Mittel der Wahl zu sein. Unter der Erde ist sie unabhängig vom Stadtverkehr, die Stationen sind über die ganze Stadt verteilt und das System ist denkbar einfach – vor Allem mit einer Oyster-Card. Unterschied man früher noch zwischen peak und off-peak, also vor oder nach 9.30 Uhr, fährt man heute zu jedem Zeitpunkt gleich günstig oder teuer. Allein Einzelfahrscheine sind in Zone 1 und 2 off-peak 10 Pence günstiger Hier findet ihr auch eine gute Übersicht, über die Ticketmöglichkeiten.
Die Oyster Card ist im Prinzip eine Kreditkarte, die vorher aufgeladen wird. Sie kann dann für Busse, U-Bahnen und manche Schiffe des Transport for London (TfL) genutzt werden. Dabei ist das Oyster-System intelligent und belastet entweder mit den Einzelfahrten, maximal aber mit derzeit 8,90 Pfund pro Tag (daily cap) in den Zonen 1 und 2. Nutzt ihr die Zone 3, erhöht sich der cap auf 10,50 Pfund. Müsst ihr ggf. auch zum Flughafen Heathrow, liegt die Höchtbelastung bei 16,30 Pfund – so viel kostet im Übrigen auch die klassische „One Day Travelcard“ (off peak !), man sollte aber lieber auf die Oystercard setzen. Damit fährt man in aller Regel günstiger.
Während Kinder unter 11 übrigens kostenlos mitfahren (egal ob Bus oder Tube), gibt es für Jugendliche die Möglichkeit, normale Oyster-Karten an jedem U-Bahn-Schalter rabattieren zu lassen. Dann fahren sie für die Hälfte.
Letztlich ist es euch überlassen, ob ihr etwa eine Oystercard nutzen wollt, die ihr vor Ort an den Ticketautomaten erwerben könnt, euch vorher (kostet etwas mehr) eine Visitor – Oyster – Card zulegen wollt, die euch im Vorfeld zugeschickt wird, oder ob ihr einfach eure Kreditkarten nutzt. Wenn ihr Karten ohne Fremdwährungsgebühren habt, könnt ihr euch damit auch ganz einfach in der U-Bahn ein- und aus-tappen und die Kreditkarte wird wie eine ganz normale Oyster-Card behandelt (gilt auch für google und apple pay).
Aber zurück zur U-Bahn. Einzelne Fahrten kosten in Zone 1 und 2 2,80 GP, wenn ihr eine Kredit- oder Oystercard nutzt. Hiermit lassen sich auch die meisten touristischen Ziele erreichen. Solltet ihr euch mit den Zonen nicht ganz sicher sein, so findet ihr auf den Seiten der TfL einen so genannten „Fare Finder„, mit dem ihr die Kosten eines Trips bestimmen könnt.
Was für die U-Bahn spricht
Das System der U-Bahn ist übersichtlich und der Plan ist leicht zu lesen. Und: man muss nicht, wie bei der Suche nach einer Bushaltestelle, erst die richtige Straßenseite (Linksverkehr!) suchen. Wenn man sich ein wenig mit dem System beschäftigt, kommt man extrem leicht von A nach B. Diverse Apps für´s Handy (s.u.) helfen weiter mit U-Bahn, Overground, Dockland Light Railway (DLR) oder der neuen Elizabeth Line (vorsicht, teurer!). Und die einzelnen Museen, Walks, Events, oder was auch immer ihr euch anschauen wollt, geben auch eigentlich immer eine passende u-Bahn-Station an.
Gleichzeitig sind die Züge recht schnell und unabhängig von den verstopften Straßen Londons. Zwar sind die U-Bahnen zur Rush Hour pickepackevoll, aber die Züge fahren häufig in sehr enger Taktung und brauchen nicht ewig.
![By Sameboat (Own work) [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], via Wikimedia Commons](https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/1/13/London_Underground_Overground_DLR_Crossrail_map.svg/2500px-London_Underground_Overground_DLR_Crossrail_map.svg.png)
Die Busse haben es dagegen scheinbar schwer. Das Bussystem ist groß und auch irgendwie unübersichtlich. Allein die Anzahl der Buslinien kann erschlagend sein (-> Wikipedia: Buslinien in London). Aber es gibt einige gewichtige Argumente eben für die roten Doppeldecker – auch abseits dessen, dass in den Bussen etwas weniger Taschendiebe unterwegs sind und in der Rushhour die Fahrt mit einem Bus etwas entspannter ist.
Argument 1: Ich bekomme etwas von der Gegend mit. Anders als in der U-Bahn bekomme ich ein Gefühl für Entfernungen und sehe, wie ich von A nach B gelangen kann – ggf. auch ohne ein öffentliches Verkehrsmittel zu benutzen. Vielleicht entdecke ich auch eine interessante Station und steige einfach zwischendurch einmal aus um mir etwas anzusehen. Die Linie 12 bringt euch etwa vom Oxford Circus über den Picadilly Circus, Trafalgar Square und Westminster bis zum Imperial War Museum – eine echt Stadtrundfahrtslinie. Die Linie 10 bringt euch vom Kensington Palace über die Royal Albert Hall, Marbel Arch und die halbe Oxford-Street bis hin zum British Museum oder King´s Cross / St. Pancras. Und auch die Linie 9 hat es in sich: Vom Trafalgar Square geht es über den Piccadilly Circus, den Green – und Hyde Park über Harrods bis zum Kensington Garden oder dem Design Museum. Und so viel langsamer sind die Busse auch nicht. Sie entschleunigen vielmehr.
Argument 2: So kompliziert ist es gar nicht. Wie für die U-Bahn gilt auch für den Bus: So schwer ist es gar nicht, sich einen Überblick zu verschaffen. Vor Allem Apps wie Tube Map London Overground für Android oder für i-OS vereinfachen das Busfahren drastisch. Ein Klassiker ist auch die App citymapper. Wenn man keine App installieren möchte, reicht im Übrigen auch google maps oder ein anderer entsprechender Dienst aus. Praktisch an google Maps ist, dass gleich auf der Karte der richtige Bussteig der Station angezeigt wird. Denn oft hat eine Haltestelle verschiedene Einstiegspunkte für unterschiedliche Linien.
Argument 3: Busse sind günstiger. Für nur 1,75 Pfund könnt ihr eine Stunde mit den verschiedensten Bussen durch die Gegend fahren. Das sollte ausreichend sein, um von A nach B zu gelangen. Die für die Tube übliche Zoneneinteilung gilt für die Busse nicht. Einfach beim Einsteigen die Oystercard einlesen und losfahren. Fahrt ihr einen Tag ausschließlich mit dem Bus, seid ihr mit einem Tageslimit (daily cap) von nur 5,25 Pfund dabei.
Argument 4: die Laufwege sind ggf. kürzer. Die Bushaltestellen sind enger getaktet als die U-Bahn-Haltestellen. Hier hat man ggf. die Chance, näher an ein Sight heranzukommen und sich ein paar Meter Fußweg zu sparen – z.B. auf dem Weg ins Hendrix & Händel Museum.







Nachträge und Aktualisierungen:
1) Egal, womit ihr fahrt, Kinder unter 11 Jahren fahren grundsätzlich kostenlos mit.
2) Ihr könnt zu Oystercard-Konditionen mittlerweile auch mit kontaktlosen Kreditkarten bezahlen. Sowohl in Bahn, als auch in Bus. (s. Beitrag zu „Bezahlen in London„)
3) Neben google wir die App citymapper immer wieder zum Routen von A nach B empfohlen.
Nützliche Links:
- Transport for London: Linienpläne für Tube, Bus, Boot
- Apps zum ÖPNV für Android und IPhone
- Oyster Card bei Visit Britain Shop
- Oyster Card vs. Travelcard.
- Aktuelle Preise der U-Bahn
4 Kommentare zu „Bus oder U-Bahn – was ist besser?“