Wenn man an Guinness denkt, kommt einem meist Dublin in den Kopf. Doch seit Dezember 2025 gibt es auch in London ein Highlight: die Guinness Open Gate Brewery. Im Herzen von Covent Garden könnt ihr essen, trinken, shoppen und eine Brauereitour mitmachen. Letzteres habe ich mir angeschaut.

Inhaltsverzeichnis:

  1. Historischer Boden: Wo Porter zu Hause ist
  2. Was kann ich vor Ort machen?
    1. Die Tour: Ein Erlebnis für alle Sinne
    2. Was gibt es an Alternativen?
    3. Essen in der Brauerei
  3. Öffnungszeiten, Preise, Anreise
    1. 1. Mit der Tube (U-Bahn)
    2. 2. Mit dem Bus – Die Sightseeing-Variante
  4. Fazit lohnt sich das Ganze?

Historischer Boden: Wo Porter zu Hause ist

Wenngleich die Open Gate Brewery erst im Dezember 2025 durch Charles III höchstpersönlich eröffnet wurde, atmet der Ort dennoch Brauereigeschichte.

Der Old Brewer’s Yard war bereits im 18. Jahrhundert Standort der Combe & Co. Brauerei. Hier wurden die sogenannten Porter-Biere entwickelt – malzhaltigere Biere, die vor allem bei den „Portern“, also Lastenträgern, beliebt gewesen sein sollen und daher ihren Namen erhielten. Londoner Porter-Biere waren damals die Inspiration für Arthur Guinness, überhaupt mit dem Stout-Brauen zu beginnen. Besonders dunkle Porter wurden „Stout“ genannt – ein Name, der sich bis heute gehalten hat. Und so ist das klassische Guinness eben genau ein solches Stout.

Entsprechend versteht sich die Open Gate Brewery nicht nur als neuer Touristen- und Marketing-Hotspot, sondern auch als Teil dieser langen Brautradition. Ob das nun ein geschickter Marketing-Move ist oder echte Überzeugung, ist dabei fast nebensächlich.

Auch heute wird in London wieder gebraut. Wer allerdings erwartet, hier die Produktion des klassischen Guinness zu sehen, wird enttäuscht sein. Die Kapazität von rund 33.000 Hektolitern pro Jahr reicht nicht aus, um einen nennenswerten Beitrag zur Gesamtproduktion zu leisten. Stattdessen handelt es sich eher um eine kreative Experimentierküche, in der verschiedenste Ales und Lager entwickelt und ausschließlich vor Ort ausgeschenkt werden.

Was kann ich vor Ort machen?

Die Tour: Ein Erlebnis für alle Sinne

Der Besuch startet und endet – standesgemäß – im Shop. Hier gibt es alles, was das Fanherz begehrt: von Mini-Pints über stylische Trikots bis hin zu den ikonischen Regenschirmen mit dem berühmten Tukan-Logo.

Mein Tipp zur Buchung: Geht am besten vormittags! Wenn ihr die Tour vor 12 Uhr startet, zahlt ihr etwa 30 Pfund, danach wird es teurer. Eine Online-Reservierung ist dringend zu empfehlen, da der Andrang seit der Eröffnung sehr groß ist. Der Einlass ist strikt erst ab 18 Jahren möglich. (Hier geht´s zur Buchung)

Für euer Geld bekommt ihr überraschend viel: Die rund 90-minütige Tour führt durch die moderne Mikrobrauerei, die mit ihrer vergleichsweise kleinen Kapazität eher als exklusive „Kreativküche“ denn als industrielle Produktionsstätte zu verstehen ist. Neben einem ersten Getränk und einer kurzen historischen Einführung erhaltet ihr eine Führung durch den Braubereich, inklusive spannender Einblicke in Prozesse und Sortenvielfalt.

Zusätzlich sind folgende Highlights enthalten:

  • Das Tasting: Ein wechselndes Tasting-Flight mit vier verschiedenen Proben. Hier erfahrt ihr mehr über Gerstenmalz, Hopfen und die Kunst des Brauens – und findet euren Favoriten.
  • Zapf-Meister: Zum Abschluss dürft ihr selbst ein Pint zapfen. Die richtige Technik ist entscheidend für die perfekte Cremigkeit! Alternativ könnt ihr euch auch ein Pint eurer Lieblingssorte aus dem Tasting einschenken lassen und die Tour in der Bar 232 ausklingen lassen.

Alkoholfreie Freiheit: Auch ohne Alkohol ist das Erlebnis vollständig möglich – etwa mit Guinness 0.0 % oder speziellen alkoholfreien Kreationen. Die Altersgrenze von 18 Jahren bleibt dennoch bestehen.

In London wird allerdings kein klassisches Guinness gebraut (das kommt weiterhin aus Dublin), sondern experimentiert. Hier findet ihr die stets aktuelle Bierliste. Meine persönlichen Favoriten:

  • Piazza Pale Ale: Erstaunlich süffig und mit einer ganz dezenten, angenehmen Rauchnote.
  • Old Brewer’s Yard Porter: Wer es kernig, malzig und nah am Original mag, wird dieses Bier lieben.

Barrierefreiheit: Die Tour ist barrierefrei. Mit Rampen und Aufzügen ist die gesamte Anlage gut zugänglich

Was gibt es an Alternativen?

Neben der klassischen Tour werden auch spezielle Erlebnisse angeboten:

  • The Tour to Table Experience:
    Brauereitour kombiniert mit einem 3-Gänge-Menü im Tasting Room (£65–85; ca. 180 Minuten)
  • The Guinness Masterclass:
    Umfangreiches Tasting mit besonderen Guinness-Varianten sowie ein graviertes Glas als Souvenir (£95; ca. 90 Minuten)
  • Draught & Craft Cocktail Workshop:
    In 120 Minuten lernt ihr, drei Biercocktails zu mixen – inklusive kleinem Geschenk (£85)

Essen in der Brauerei

Ihr könnt auch ganz ohne Tour vorbeischauen und eines der Restaurants nutzen. Die Auswahl deckt verschiedene Preisniveaus ab. Es ist also für fast jedes Budget etwas dabei:

Old Brewer’s Yard (Innenhof): Lässiger Streetfood-Vibe (probiert die Pies!).

The Porter’s Table: Gehobene britische Küche mit spannendem Guinness-Sodabrot.

Gilroy’s Loft: Das Prunkstück im Dachgeschoss mit Meeresfrüchten und einem tollen Blick über die Stadt.

Öffnungszeiten, Preise, Anreise

Die Preise wurden bereits im Text erwähnt – kommen wir zur Anreise.

Die Brauerei liegt zentral in Covent Garden:
1 Mercer Walk, London WC2H 9FA

In der Umgebung findet ihr zahlreiche Highlights wie die Covent Garden Piazza oder dem Foodcourt Seven Dials Market sowie viele Geschäfte und Boutiquen.

1. Mit der Tube (U-Bahn)

Es gibt drei Stationen in direkter Laufnähe:

  • Covent Garden (Piccadilly Line): Das ist die nächste Station. Von dort sind es nur ca. 4 Minuten zu Fuß durch die hübschen Gassen. (Tipp: In der Station Covent Garden gibt es nur Aufzüge, keine Rolltreppen – oft ist es schneller, bis Leicester Square zu fahren).
  • Leicester Square (Northern & Piccadilly Line): Ebenfalls nur ca. 4-5 Minuten zu Fuß entfernt.
  • Tottenham Court Road (Central, Northern & Elizabeth Line): Ideal, wenn du von weiter her kommst. Von hier läufst du etwa 9 Minuten.

2. Mit dem Bus – Die Sightseeing-Variante

Wenn du lieber oben sitzt und London an dir vorbeiziehen lässt, sind diese Linien ideal:

  • Haltestelle Cambridge Circus: Die Linien 14, 19, 24, 29, 38 und 176 halten hier. Von dort sind es nur ca. 5 Minuten bis zum Mercer Walk.
  • Haltestelle Southampton Street / Covent Garden: Hier halten die Linien 9, 15, 23, 87, 91, 139 und 176. Das ist perfekt, wenn du vom Strand oder dem Trafalgar Square kommst.


Öffnungszeiten:
Mo–Do: bis 18:00 Uhr
Fr–Sa: bis 20:00 Uhr
So: 11:30–18:00 Uhr

Fazit lohnt sich das Ganze?

Die Guinness Open Gate Brewery ist kein klassischer Touristen-Nepp, sondern eine gelungene Hommage an die Braukultur. Für rund 30 Pfund bekommt man mit Tasting, selbstgezapftem Pint und spannenden Einblicken ein insgesamt faires Paket.

Wenn man bedenkt, dass ein einzelnes Pint in London schnell 7 Pfund kostet und viele Attraktionen deutlich teurer sind, relativiert sich der Preis zusätzlich.

Auch der Souvenirshop ist einen Blick wert – erstaunlich, auf wie viele Produkte sich ein Tukan drucken lässt.

Unterm Strich war ich sehr zufrieden und hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, in eine Touristenfalle geraten zu sein.

Noch ein paar Funfacts gefällig?

  • In jedem Pint Guiness gibt es 300 Millionen Gasbläschen, die auch den besonderen Schaum ausmachen. (Wer auch immer das gezählt hat)
  • Guiness nutzt weitgehend Stickstoff als Treibgas, nicht wie bei anderen Bieren Kohenstoffdioxid (Kohlensäure). In Irland ist das Verhältnis von Stickstoff zu Kohlensäure übrigens ein anderes als bei dem Guiness, das für den Export vorgesehen ist. es stimmt also, was viele Touristen sagen: Das Produkt ist in Irland noch cremiger und der Schaum hat mehr Stand – bedingt durch einen höheren Stickstoffanteil.

Hinterlasse einen Kommentar