In London sind derzeit die coolen Märkte und Vintage total angesagt. Der alternative Brick Lane Market lockt mit Vintage – Klamotten. Camden Market ist zwar mittlerweile touristisch stark erschlossen, ist aber dennoch einen Besuch wert. Und der Markt in der Portobello Road, Notting Hill, ist ein El Dorado für Antiquitäten und Blumen. Gleichzeitig gibt es riesige Einkaufscenter, wie das Westfield in Sherherd´s Bush, der Shoreditch Boxpark oder das Einkaufscenter in der Battersea Power Station, die auf kleinster Fläche eine große Vielfalt an Shops beinhalten.
Sind angesichts dieser Konkurrenz – mal unabhängig von den Einzelhändlern, etwa in der Carnaby Street oder im Coal Drops Yard (King´s Cross) – denn Traditionskaufhäuser wie Harrod´s oder Selfridges überhaupt noch einen Besuch wert? Oder sind sie eher aus der Zeit gefallen?
Wichtige und große Traditionshäuser
Harrrod´s – Der Klassiker

Harrod´s ist sicherlich das bekannteste Kaufhaus in London. Man kann hier wirklich von einem Traditionshaus sprechen. 1834 durch Charles Henry Harrod gegründet, befindet es sich bereits seit dem Jahr 1849 im Stadtteil Knightsbridge und nach einem Brand existiert das Gebäude auch seit 1903 im heutigen Stil. Allerdings ist das Kaufhaus schon lange nicht mehr in Familiensitz. Der letzte Eigentümerwechsel fand 2010 statt. Die Quatar Holding übernahm das Geschäft für geschätzte 1,7 Mrd. Euro.
Von seinem Glanz und Renommee hat Harrod´s aber nichts verloren. Immer noch ist es – wie ich finde auch zu recht – einer der großen Anlaufpunkte für Touristen, aber auch ernsthafte Kunden. Einst rühmte man sich dessen, alles im Haus erwerben zu können. Mittlerweile hat man sich aber z.B. von den lebenden Tieren getrennt. Aber dennoch findet der gut betuchte Kunde hier alles, was er benötigt. Von der Inneneinrichtung über Technik, bis hin zu Parfum, Edelmode oder Spielsachen. Für das alles ist man bei Harrod´s genau richtig.

Für Touristen ist oft die Market – und Food – Hall interessant. Hier bekommt ihr wahnsinnig gutes Essen und edle Mitbringsel für die Lieben daheim. Für Kinder ist die recht große Spielzeugabteilung spannend. Wenngleich diese auch in den letzten Jahren deutlich verkleinert wurde, findet man immer noch coole Spielzeuge und kann sogar Einiges ausprobieren. Soll es etwas ganz besonderes sein? Dann gönnt euch doch eine Englische Tea Time in den Tea Rooms. Ab 73 Pfund seid ihr dabei – Luxus halt. Allerdings macht es auch Spaß zu schauen, wie viel Geld man für welche Fernseher, Teppiche oder Vasen ausgeben kann.
Allerdings sollte man sich gut merken, welchen Weg man gegangen ist und wie man zurück zum Eingang kommt. Das Kaufhaus ist fast schon labyrinthartig aufgebaut und auch ich habe dort bereits deutlich mehr Zeit auf der Suche nach der passenden Rolltreppe verbracht, als ich wollte.
Wie kommt ihr hin? Das ist der einfachste Part. Nehmt die Picadilly Line bis zur Haltestelle Knightsbridge. Die befindet sich fast im Keller des Hauses. Alternativ gelangt ihr zur Brompton Road 87-135 mit dem Bus. Nutzt die Linien 14, 74, 414 oder C1 bis zur Haltestelle „Harrod´s“.
Die Öffnungszeiten bewegen sich täglich zwischen 10 und 21 Uhr, an Sonntagen könnt ihr zwischen 11.30 und 18 Uhr shoppen.
Selfridges – Der alte Konkurrent

In der Oxford Street – einst die Shopping-Prachtstraße Londons, mittlerweile aber leider nicht mehr ganz so überzeugend – findet man neben Johns Lewis oder Debenhams auch das wahrscheinlich zweitbekannteste Kaufhaus: Selfridges.
Der Laden wurde 1909 von Harry Gordon Selfridge gegründet. Und zwar – anders als
Harrod´s – als „Laden für Jedermann“. Vieles hat sich bis heute verändert. Selfridges gibt es in Großbritannien in vier Filialen (etwa in Birmingham und Manchester), die Selfridges Group gehört einer Thailändischen Investmentfirma. Aber immer noch gilt das Geschäft als „massentauglicher“. Und das bestätigen jährlich etwa 17 Millionen Kundinnen und Kunden.
Trotz Allem ist auch Selfriges durchaus etwas hochpreisiger. Man kann sagen – gehobene Mittelklasse. Die Oberklasse findet aber auch ihre privateren Shoppingerlebnisse. Ihr findet auf sechs Stockwerken und 40.000 qm2 Verkaufsfläche fast Alles. Klamotten, Parfums, Schreibwaren, Kinderspielzeug, wahnsinnig tolle Kuchen und Torten und einen extrem gut sortierten Lebensmittelmarkt. Besonders möchte ich aber die Restaurants im obersten Stockwerk hervorheben. Hier lässt es sich wirklich entspannt und gut einen Tee oder ein Eis genießen. Ergattert ihr einen Platz am Fenster, habt ihr eine tolle Aussicht über die Oxford Street inklusive.







In der Summe ist Selfridges etwas einfacher gehalten als Harrods, dafür aber deutlich heller, luftiger und weniger labyrint-artig aufgebaut. Wenn ich mich entscheiden müsste, wüsste ich nicht für welches der beiden Kaufhäuser.
Wie erreicht ihr Selfridges? Das Kaufhaus liegt an der Oxfordstreet mit der Hausnummer 400. Nehmt dorthin die Central Line. Je nachdem, aus welcher Richtung ihr kommt, steigt ihr entweder bei der Haltestelle Bond Street oder am Marble Arch aus. Von dort aus sind es nur wenige Gehminuten die Oxford Street hinunter.
Der Bus bringt euch z.B. zur Haltestelle Marble Arch Station oder Selfridges (nur in eine Richtung). Bedient wird Marbel Arch Station von den Linien 13, 94, 113, 189 und 274. Alternativ könnt ihr aber auch die Haltestelle Portman Street Selfridges anfahren. Das funktioniert mit den Linien 2, 30 und 74.
Die Öffnungszeiten kann man sich leicht merken: montags bis samstags von 10 bis 22 Uhr, am Sonntag könnt ihr von 11.30 bis 18 Uhr euer Geld los werden.
Liberty – Fachwerk in Soho

Ein ähnliches Sortiment wie Selfridges findet ihr bei Liberty im Herzen Sohos, direkt an der Edeleinkaufsmeile „Regent Street“, Ecke Great Marlborough Street. An dieser Stelle befand sich der erste eigene Laden von Arthur Lasenby Liberty im Jahr 1875 noch nicht, aber dennoch kann dieses Datum als Startpunkt dieses Geschäfts gesehen werden.
Ursprünglich verkaufte Liberty Kunstobjekte und Dekorationen für die Wohnung – vor Allem aus Japan. Doch bereits am Ende des Jahrhunderts, arbeiteten die Händler exklusiv mit Künstlern aus England zusammen und begründeten so ihren exklusiven Ruf, den sie auch heute noch pflegen.
Wenngleich Liberty – anders als Harrod´s und Selfridges – keine Food-Abteilung besitzt, ist es einen Besuch wert. Auch heute noch wird weniger auf eine Vollausstattung wert gelegt als auf Design und Raumausstattung. Auch unterscheidet sich Liberty durch das Gebäude selber. Von außen, und für das City Center eher ungewöhnlich, erkennt man das Kaufhaus direkt an der Fachwerkfassade. Und auch im Inneren wird viel Wert auf Holz und Naturmaterialien gelegt. Das führt zu einer ganz eigenen und tollen Atmosphäre.





Wie gelangt man zu Liberty? Oxford Circus ist die Haltestelle der Wahl. Sowohl mit der Tube, die mit der Bakerloo, Central und Victoria Line die Haltestelle gleich dreifach bedient. Von dort aus sind es nur wenige Minuten zu Fuß.Alternativ bringen euch die Buslinien 22, 94, 139 und 159 dorthin. A
Allerdings lohnt es sich auch, am Piccadilly Circus auszusteigen und die Warwick– und Carnaby Street entlang zu shoppen (z.B. im Rolling Stones Shop). Hier endet man automatisch bei Liberty und hat einen guten Abschluss für diese Tour.
Weitere große Kaufhäuser…
Johns Lewis und Debenham´s
Auch an der Oxford Street liegen die Kaufhäuser John Lewis (Hausnummer 300) und Debenham´s (Hausnr. 334 – 338). Sie sind ähnlich wie Selfridges aufgebaut, vielleicht etwas weniger exklusiv, erinnern sie schon an Warenhäuser wie Kaufhof. Wenn man sowieso die Oxford Street hinuntergeht, liegen sie auf jeden Fall auf dem Weg.

Fortnum and Mason
Ganz dem Luxus haben sich hingegen Fortnum and Mason verschrieben. Speziell alles, rund um den Genuss im Zeichen des Tees. Ihr könnt hier sehr edel Tee in einer unglaublichen Auswahl genießen. Für eine Tea Time müsst ihr mindestens 80 Pfund pro Person einrechnen. Hier bekommt ihr aber auch eine Auswahl der auch zu erwerbenden Pralinen, Kuchen und Sandwiches gereicht.

Letztlich könnt ihr aber auch Geschirr, Picnic-Zubehör und alles rund um Kaffee und Tee erwerben.
Um zu Fortnum and Masons zu gelangen, folgt vom Piccadilly Circus einfach der Straße „Piccadilly“. Gleich gegenüber findet ihr übrigens die Burlington Arcade und nebenan die Princess Arcade. Zwein Adressen, wenn ihr wirklich teuer und exklusiv shoppen wollt.
Zwei Häuser weiter lohnt sich übrigens auch ein Besuch in der Kirche St. James Piccadilly. Entworfen (natürlich) von Sir Christopher Wren, hat sie vor Allem durch die Serie Bridgerton zu internationaler Berühmtheit gefunden. Eine schöne kleine Kirche, mit angeschlossenem Café!
Lohnt sich ein Besuch?
Das ist die große Frage. Warum soll ich ein solches Kaufhaus besuchen, wenn ich in Westfield alle Standardmarken und auch einige Luxusartikel bekomme? Zudem sind die Restaurants oft recht teuer und wirkliche Klamotten shoppe ich dort sowieso nicht.
Nunja. Aus touristischer Perspektive finde ich schon, dass zumindest die Edelkaufhäuser einen gewissen Reiz haben. Die Food-Hall bei Harrods, die Restaurants bei Selfridges, die Atmosphäre im Liberty oder der herausragende Tee von Fortnum and Mason stellen neben der besonderen Atmosphäre der Nobelhäuser schon spannende Kristallisationspunkte dar. Anders als die klassischen Filialisten, setzen vor Allem diese vier Häuser auch auf eine ausgefeilte Deko, die sich teilweise durch das ganze Haus zieht. So hat Selfriges zum Beispiel immer ein bestimmtes Thema, das in den Schaufenstern und im Laden aufgegriffen wird. Speziell zur Weihnachtszeit haben die Kaufhäuser auch ein besonders Flair und sie geben sich besonders viel Mühe mit der Deko.
Von daher finde ich schon, dass sich ein Besuch zumindest diese vier Kaufhäuser lohnt. Man muss dort vielleicht weniger von einem Shoppingerlebnis ausgehen (es sei denn, ihr habt das gewisse Kleingeld, dann werdet ihr auch servicemäßig großartig bedient!) als von einem touristischen Sightseeingobjekt. Und wenn man dann noch seine Mitbringsel aus diesen Traditionshäusern mitbringt, unterstützt man auch deren Erhalt.
Denn letztlich gilt immer noch: Viele sterile Filialisten und Malls haben nicht das Flair und die Liebe zum Detail wie die entstprechenden großen Kaufhäuser. Und letztlich ist vor Allem bei Harrod´s und Selfridges für jeden etwas dabei. Ob nun die Duftprobe in der Parfumerie oder das Spielzeug zum Ausprobieren in der Kinderabteilung.

3 Kommentare zu „Harrod´s, Selfridges & Co.: Traditionskaufhäuser“