Wenn ich an den Britischen Afternoon Tea denke, so kommen mir sofort Bilder von feinem Porzellan, luxuriösen Sälen mit pompöser Dekoration in den Sinn. Auch im Internet fallen immer wieder Exquisite Namen, die das Ritz oder das Savoy Hotel. Und ganz von der Hand zu weisen ist dieses Image nicht, zumal ein High Tea immer ein tolles und edles Erlebnis ist, aber auch nicht ganz günstig. In diesem Beitrag soll es aber konkret um meine Teatime im „The Ampersand“ – Hotel gehen – ein Genuss mit dem besonderen Etwas….

  1. Der Britische Afternoon Tea – eine Institution
  2. Tea Time – Was ist das?
  3. Tea Time im Ampersand Hotel
  4. Fazit und was es sonst noch zu sagen gibt

Der Britische Afternoon Tea – eine Institution

In der Tat ist die Teatime mit England so verbunden, wie der Karneval mit Köln. Tee als Nationalgetränk der Briten trat allerdings erst im 17. Jahrhundert seinen Siegeszug an. Damals schon wurden die Teeblätter aus China importiert und galten als Luxusgut. Entsprechend wundert es auch nicht, dass der Nachmittagstee seinen Ursprung im Adel hatte.

Im 19. Jahrhundert machte es sich Lady Bedford, ihres Zeichens Hofdame Queen Victorias, zu Eigen, am Nachmittag stets eine leichte Malzeit zu sich zu nehmen. Denn während das zur damaligen Zeit übliche leichte Mittagessen bereits gegen 12 Uhr serviert wurde, ließ das Abendessen oft bis 19 Uhr oder später auf sich warten. Da konnte der Nachmittag lang werden. So kam es, dass Lady Bedfort sich gegen 17 Uhr regelmäßig eine Tasse des luxuriösen Tees und einen Imbiss servieren ließ.

Auch, wenn Besuch anwesend war, wollte sie auf diese Annehmlichkeit nicht verzichten und genoss die Zwischenmalzeit einfach gemeinsam mit den Besucherinnen und Besuchern. Dann natürlich immer etwas aufwändiger als normal. Denn Adel verpflichtet ja bekanntlich.

Tea Time Millhall, Sussex Henry by J. Paul Getty Museum is licensed under CC-CC0 1.0

Es dauerte nicht lange, bis diese Nachmittagstees sich immer größerer Beliebtheit erfreuten. Zunehmend mehr Adelige folgten Lady Bedfords Beispiel. Und als gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Teesteuer abgeschafft wurde, boten auch Kaufhäuser Teatimes an und auch die einfacheren Menschen konnten sich ab und zu einen solchen Luxus gönnen.

Und diese Tradition hat sich bis heute gehalten und der Hauch von Luxus und Adel umweht zumindest die Teezeiten in den großen Hotels noch immer.

Tea Time – Was ist das?

Wenn wir von einer Tea Time reden, meinen wir zumeist den „5 O´Clock Tea“ oder auch Low Tea genannt. Der Name rührt von den niedrigen Sofatischen, auf denen er klassisch serviert wurde. Darüber hinaus gibt es aber auch eine Vielzahl unterschiedlicher Varianten. Die bekannteste ist wahrscheinlich der High Tea. Er fällt stets besonders opulent aus, da hier Tee und Abendbrot kombiniert werden.

Aber zurück zum 5 O´Clock Tea. Entsprechend seinem Namen, wird er in der Regel zwischen drei und fünf Uhr nachmittags serviert. Neben dem Tee wird meist eine Etagere mit verschiedenen Leckereien gereicht. Gestartet wird unten mit Sandwiches – meist mit Gurke, Ei oder Lachs. Darüber findet man oft Scones mit Clotted Cream und Cupcakes oder Short Bread (Kekse). Den Abschluss machen dann süße Leckereien mit Schokolade oder Karamell, etwa Pralinen oder andere Gaumenfreuden. Ein Glas Champagner gehört natürlich ebenso dazu. Und? Läuft euch das Wasser bereits im Mund zusammen?

Tea Time im Ampersand Hotel

Nun aber zum Ampersand Hotel. Ihr findet das Hotel im Stadtteil South Kensington, in Nachbarschaft zum Science – und Natural History Museum. Und genau an diesen beiden Highlights des Englischen Ausstellungsbetriebs orientieren sich die Tea Times, die ihr in diesem Hotel buchen könnt. Wollt ihr zum Hotel gelangen, nutzt die Tube- oder Bushaltestelle South Kensington. Von dort aus ist es zur 10 Harrington Road nicht weit (Weg auf google maps).

Im etwas edleren Drawing Room erwartet euch ein vom Science Museum inspirierter Afternoon Tea. Ob nun Pralinen in Planetenform oder Schokoladenastronauten – alles ist an der Wissenschaft orientiert. Ähnlich wie beim zweiten Angebot, dem Jurassic Afternoon Tea, wird die Etagere mit Trockeneisnebel serviert – ein echter Wow-Effekt.

Der Jurassic Afternoon Tea wird im Apero im Untergeschoss serviert und hier nahmen wir auch unseren Tee zu uns. Es wirkt ingesamt etwas lockerer und weniger distinguiert als im Drawing Room, eher im Stil eines Bistros oder eine Bar. Aber nichts desto trotz bekommt man eine beeindruckende Etagere mit kleinen Kunstwerken zum Essen oder einfach nur bestaunen. Besonders gut hat mir die kleine Box gefallen, in der man – einem Archäologen gleich – Schokoladenammoniten mithilfe eines Pinsels freilegen kann. Aber auch die anderen Etagen mit ihren Sandwiches, Pies, Scones und Kuchen waren großartig.

Natürlich war aber trotz etwas legererer Atmosphäre der Service im Apero geprägt von Aufmerksamkeit, Höflichkeit und Entgegenkommen – wie man es in einem Luxushotel eben erwartet. Eine breite Palette an Teesorten standen zur Auswahl und auch hier war das Personal bei der Orientierung behilflich. Kinder, die Tee eher abgeneigt gegenüber stehen, bekommen eine heiße Schokolade, die mit allerlei Add Ons aus Reagenzgläsern veredelt werden kann.

Bei unserem Besuch lag der Preis noch bei gut 50 Pfund pro Person. Mittlerweile (Stand 04/2024) muss man 55 Pfund investieren, das Glas Champagner erhöht die Unkosten um weitere 10 Pfund. Während aber bei unserem Besuch „lediglich“ eine normaler, eine vegetarische und eine Kindervariante angeboten wurde, sind vegane oder glutenfreie Ausführungen mittlerweile auch erhältlich.

Fazit und was es sonst noch zu sagen gibt

Mein Fazit: Wenngleich ich auch nicht sicher war, ob meine Kleidung dem Anlass angemessen war und man so überhaupt in so ein Nobelhotel gehen sollte, bin ich zu dem Schluss gekommen: Man sollte auf jeden Fall einmal eine Tea Time mitgemacht haben. Sie nimmt unglaublich viel Hektik aus dem Tag und man kann sich für zwei Stunden entspannt verwöhnen lassen und den Nachmittag einfach nur genießen. und auch die alten Konventionen, die eine Fine Dining Garderobe verlangen, gelten nur nur äußerst eingeschränkt.

Die Themen „Science“ oder „Dinosaurier“ im Ampersand Hotel sind wirklich toll durchdacht und umgesetzt und vom Sandwich bis zur Praline handelt es sich um kreative Meisterwerke, die ihr Geld wirklich wert sind. Auch für Kinder ist diese Art von Tee prädestiniert. Als wir da waren, wurde im Apero sogar ein kleiner Kindergeburtstag gefeiert. Allerdings dann vielleicht nicht für zwei Stunden.

Die Voraussetzung ist allerdings, dass ihr vorher reserviert! Das geht in der Regel über die Homepage der Hotels. Wir haben es über das Portal „The Fork“ versucht, sind aber gescheitert – die Reservierung kam nicht an. Da aber zufällig noch etwas Platz im Apero war, hatten wir Glück und bekamen noch einen Tisch. Solltet ihr am Wochenende unterwegs sein, würde aber dies aus schwierig werden. Also, besser direkt über die Hotels reservieren.

Aber nicht nur dieses eine Hotel bietet hervorragende Teezeiten an. Ihr findet zahlreiche – mal günstigere, mal teurere – Varianten in der Stadt. Ob nun der Klassiker im Ritz für etwa 80 Pfund, eine Fahrt mit dem Teebus oder eine entspannte Zeit über den Dächern Londons in der Shard – jeder findet seine bevorzugte Variante.

Auf den folgenden Seiten findet ihr gute Übersichten und Tipps rund um London und Tea Times:

Eine Übersicht über viele Londoner Teatime-Angebote: https://afternoontea.co.uk/uk/london

Eine Übersicht über besondere Teatime-Angebote zu unterschiedlichen Themen: https://www.bbcgoodfood.com/travel/uk/best-afternoon-teas-london

3 Kommentare zu „Afternoon Tea im Ampersand – wissenschaftlich entspannt.

  1. Naja, ob sie grundsätzlich den Wert auf gutes Essen wegen… Da kann man geteilter Meinung sein 😁 allerdings war in diesem Fall die Qualität echt enorm. Und ja: der Preis ist wirklich nicht ohne! Das ist schon wirklich Luxus, den man sich gönnt.

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