Wer gerne die Thriller von Dan Brown liest, der wird ihnen wahrscheinlich schon begegnet sein: den Freimaurern. Im 2009 erschienenen Roman „Das verlorene Symbol“ verliert sich Browns Hauptdarsteller Robert Langdon im Bereich der Freimaurerlogen. Auch die Simpsons widmeten dieser Gesellschaft eine Folge – hier heißen sie allerdings die Steinmetze. Doch sind die Freimaurer wirklich so eine im Verborgenen agierende Geheimorganisation? Ist gar die Kontrolle der Welt ihr Ziel? Das Freimaurermuseum in London (Museum of Freemansonry) ist ein guter Ansatzpunkt für eine Recherche.

  1. Wer sind die Freimaurer
  2. Das Freimaurermuseum in der Freemansons Hall
  3. Anfahrt, Öffnungszeiten, Preise
  4. Fazit

Wer sind die Freimaurer

Die Steinmetze bei den Simpsons

Sie umgibt nach wie vor ein Ruf von geheimnisvoller Exklusivität, von Macht und Einfluss. Und das, obwohl viele nicht wissen, worum es sich bei den Freimaurern handelt. Die Gesellschaft mit dem Zirkel und Winkel im Wappen hatte ihre Vorläufer bereits im 13. Jahrhundert in England. Ausgehend von den Steinmetzgilden werden erste Logen – die lokalen Freimaurervereinigungen – gegründet. Aber als echter Gründungstag der modernen Freimaurerei gilt der 24. Juni 1717. Hier schlossen sich vier Logen zur ersten Freimaurergroßloge von England zusammen. Bis heute ist der so genannte Johannistag ein hoher Feiertag bei den zwischen 2,6 und 5 Millionen weltweiten Freemansons.

Die Freimaurerei – durch die Mitglieder selber als königliche Kunst bezeichnet – sollte eine Vereinigung des freien Ideenaustausches freier Männer (Frauen kommen erst später dazu) sein. Sie verpflichteten sich fünf Grundwerten: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität. Geheimhaltung zählte als Wert nicht dazu. Da aber die freie Rede und der freie Gedankenaustausch bei anderen Institutionen, wie z.B. Kirche oder Krone, nicht immer auf offene Ohren stieß, wurde schon früh vereinbart, dass das, was im Tempel (dem Treffpunkt der Mitglieder) der Loge passiert auch dort zu bleiben hat. Vor Allem das Verhältnis zu den großen Kirchen und Religionen ist auch heute noch angespannt – etwa zur katholischen Kirche oder zum Islam.

Trotzdem sind heute viele Rituale bekannt. Wenngleich auch die Verschwiegenheitspflicht für die Bräuche und Zeremonien gilt, sind verschiedene Literaturwerke mittlerweile öffentlich (z.B. das Regius Manuskript von 1390), das die Rituale der Freemasons im Grundsatz darstellt. Speziell die so genannte Tempelarbeit findet regelmäßig statt. Hier werden in den Tempeln Vorträge über alle möglichen Themen gehalten, die allerdings erst im Anschluss bei der so genannten Tafelloge besprochen werden. Aber auch alle anderen Versammlungen und das gesamte Freimaurerleben ist von Ritualen und Zeremonien geprägt.

Was sind eigentlich Freimaurer? Kurzer Bericht des SWR

Mitglied kann theoretisch jede(r) werden. Ist man ein Mensch guten Rufes, muss in einer Loge einen Antrag auf Mitgliedschaft stellen. Da man aber nur Überzeugungstäter in den eigenen reihen wissen will, machen es einem die Freimaurer nicht ganz so einfach. Mindestens ein halbes Jahr lang wird erwartet, dass man an Gästeabenden der Vereinigung teilnimmt und entsprechend der Freimaurerwerte leben. Diese Anwartszeit kann für Kinder von Logenmitgliedern reduziert werden. Wird nun am Ende dieser Zeit nach einem Aufnahmegespräch die Aufnahme durch eine Kommission befürwortete, kann in der Loge geheim über die Aufnahme abgestimmt werden. Da jeder Mitglied werden können soll, unabhängig vom finanziellen Hintergrund, können Mitgliedsbeiträge, Kosten für die rituelle Bekleidung oder abzuleistende Abgaben erlassen oder als Kredit vergeben werden.

Die Werte der Freimaurer sollen aber auch aus der Gemeinschaft heraus getragen werden: Karitative Arbeit, die Förderung der Bildung und des freien Gedankenaustauschs steht auch im zivilen Leben auf der Agenda der Mitglieder. Entsprechend versuchen sie in ihrem Umfeld, das durchaus auch in der hohen Gesellschaft sein kann, die Werte zu leben. Spätestens dies war regelmäßig der Ansatzpunkt für Verschwörungstheorien.

Motive des Freimaurertums finden sich in vielen Bereichen von Kunst und Kultur, wie etwa Mozarts Oper „Die Zauberflöte“, Kiplings Roman „Der Mann der König sein wollte“ oder auch die Auftragsarbeit „Symbolum“, ein Gedicht, das Goethe für die Weimarer Freimaurerloge verfasste.

Das Freimaurermuseum in der Freemansons Hall

Seit 1775 gibt es ein Gebäude der Freimaurer in der Great Queens Street und bereits 1841 wurde an dieser Stelle das erste Freimaurermuseum eröffnet, bestückt mit von den Mitgliedern gestifteten Ausstellungsstücken. Das heutige Gebäude existiert seit dem Jahr 1933. Seitdem wurde ein Bibliothek, das Museum und die Tempel der Logen im Großraum London angeschlossen.

Es versteht sich von selbst, dass ein Gebäude mit diesem Stellenwert auch nach außen repräsentieren muss und das ist auch so. Allein die Architektur von Henry Victor Ashley und Francis Winton Newman ist beeindruckend – sowohl von innen, als auch von außen. Das führte unter anderem dazu, dass das Gebäude auch als Set für verschiedenste Serien und Filme genutzt wurde: Johnny Englisch, James Bond: Spectre oder Assasin´s Creed wurden dort gefilmt, wie auch Folgen von The Crown oder Whitechapel.

Während in den ersten 50 Jahren die Bibliothek exklusiv den Logenmitgliedern vorbehalten war, erfuhren Museum und Bibliothek bis in die 90er immer weiter gehende Öffnungen. Und spätestens seit die Sammlung des Museum of Freemansonry und die Bibliothek 1996 in eine Stiftung umgewandelt wurden, stand das Haus auch der Öffentlichkeit zur Verfügung.

Ihr findet im Museum jede Menge Zeremonialatuensilien, Kunstgegenstände, Schmuckstücke, Möbel oder auch Uhren, an deren Beispiel das Leben und wirken als Freimaurer gezeigt wird. Wenn man kulturhistorisch interessiert ist, handelt es sich um spannende Stücke und ebensolche Geschichten. Man erfährt viel über die Geschichte und die Grundideen sowie der Zeremonien der Freimaurer. Auch wenn – natürlicher Weise – das Freimaurertum wenig kritisch und fast durchweg positive dargestellt wird, ist es dennoch spannend.Auch die Bibliothek strotzt vor alten Büchern und historischer Literatur. Hier wird Geschichte geatmet. Und auch der eindrucksvolle Bau unterstreicht eben diesen Eindruck. Wenn ihr wirklich Interesse an den historischen Lektüren habt, könnt ihr euch online registrieren, um auch die Bücher studieren zu können.

Eine Tour durch Freemansions´ Hall vom Museum of Freemansonry

Neben den Exponaten und der Bibliothek ist aber die gesamte Architektur spannend. Auch kann man einen Blick in einen der ingesamt 26 Logenräume / Tempel werfen, in denen regelmäßig Treffen stattfinden.

Und wie es so ist: Natürlich könnt ihr im entsprechenden Gift-Shop euch nach Herzenslust mit Mitbringseln oder sogar echten Freimaureruntensilien (z.B. Kleidung) versorgen. Auch erhaltet ihr hier – bei Bedarf – Audioguides des Museums für kleines Geld.

Wenn ihr euch weiter für die Geschichte der Freemansons Hall interessiert, gibt es auf der Homepage eine spannende Timeline.

Anfahrt, Öffnungszeiten, Preise

Das Museum liegt zwischen den U-Bahn-Haltestellen Covent Garden und Holborn. Ihr erreicht beide Haltestellen mit der Piccadilly Line, Holborn zusätzlich auch mit der Central Line. Von den Haltestellen aus sind es nur wenige Minuten Fußweg. Von Covent Garden aus folgt ihr einfach dem Long Acre in östlicher Richtung. Den Weg von Holborn aus findet ihr hier.

Wenn ihr mit dem Bus anreisen möchtet, so könnt ihr an der Haltestelle Kingsway aussteigen. Sie wird von den Linien 1, 59, 68, 91, 168, 171, 188, 243 und 521 bedient.

Die Öffnungszeiten bewegen sich grundsätzlich täglich zwischen 10 und 17 Uhr. Lediglich an jedem ersten Donnerstag im Monat bleibt das Museum bis 20 Uhr für die Besucher geöffnet. Dafür gelangt man zwischen Heilig Abend und dem 03.01. jeweils erst ab 12 Uhr Mittags hinein.

Trotzdem das Museum nicht von der öffentlichen Hand finanziert ist, kostet euch ein Besuch grundsätzlich nichts. Es ist kostenlos, wenn ihr euch auf eigene Faust ein Bild machen wollt. Es werden aber auch regelmäßig Touren durch das Museum oder die Grand Lodge angeboten. Diese 55-Minütigen Führungen kosten pro Person 12,50£.

Fazit

Ich fand das Museum allein der Architektur wegen beeindruckend. Vor Allem, da ich nicht wirklich ein Bild vom Freimaurertum hatte, war der Einblick durchaus spannend. Die ausgestellten Artefakte erzählen ganze Familiengeschichten und sind gut beschrieben. Mich hat vor Allem auch die Bibliothek beeindruckt. Allein dort mal einen Blick hineinzuwerfen ist ein Besuch wert.

Ich würde – je nach Interesse – etwa eine bis zwei Stunden dort veranschlagen. Dann hat man sich ausgiebig mit der Geschichte und den Gebräuchen der Freemansions beschäftigt, Vielleicht im Café einen Kaffe oder Tee zu sich genommen und die Architektur bewundert.

Insgesamt ist das Museum also durchaus einen Abstecher wert, wenn ihr sowieso am Covent Garden seid, oder etwa gerade das Bow Street Police Museum besucht habt.

2 Kommentare zu „Geschichten von Zirkel und Winkeleisen: Das Freimaurermuseum (Museum of Freemansonry)

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