Der Name dieses Londoner Museums klingt für deutsche Ohren zunächst etwas ungewohnt. „Imperial“ – da denken manche vielleicht eher an Star Wars als an britische Geschichte. Doch das Britische Empire ist bis heute ein prägender Teil der nationalen Identität Großbritanniens. Gleichzeitig ist das Verhältnis der Briten zu ihrem Militär traditionell enger, als wir es aus Deutschland kennen.

Wichtig ist aber: Das Imperial War Museum ist keine unkritische Lobhudelei auf die britischen Streitkräfte. Im Gegenteil. Es setzt sich mit den Konflikten auseinander, in die Großbritannien – und das Empire – in den letzten gut 100 Jahren verwickelt war, und stellt dabei immer wieder die großen Fragen nach Krieg, Frieden und Sicherheit.

  1. Das Museum und seine Geschichte
  2. Das Museum heute – was bekomme man zu sehen?
  3. Praktisches: Anfahrt, Preise, Öffnungszeiten
  4. Fazit – lohnt es sich?

Das Museum und seine Geschichte

Zu den heutigen Imperial War Museums (IWM) gehören insgesamt fünf Standorte: das IWM Duxford, das IWM North sowie in London die Churchill War Rooms, die HMS Belfast und das hier vorgestellte Haupthaus im Londoner Stadtteil Lambeth.

Geplant wurde das Museum in den Nachwehen des Ersten Weltkriegs. 1920 eröffnete König George V das damalige National War Museum – zunächst im Crystal Palace. Ursprünglich war sogar der Tower of London als Standort im Gespräch, doch dort war schlicht nicht genug Platz für die schnell wachsende Sammlung.

Nach einer Zwischenstation im Science Museum zog das Museum 1936 in seine heutige Heimat: das ehemalige Bethlem Royal Hospital in Lambeth, südlich der Themse.

Ein echtes Wahrzeichen sind die beiden 15-inch-Schiffskanonen vor dem Eingang. Sie stammen von der HMS Resolution und der HMS Roberts, die beide im Zweiten Weltkrieg im Einsatz waren. Bis heute bilden sie einen ebenso imposanten wie leicht einschüchternden Empfang.

Das Museum heute – was bekomme man zu sehen?

Schon beim Betreten des Museums fällt der Blick nach oben: Flugzeuge, Panzer, Militärfahrzeuge – große Exponate, die Teil der zentralen Ausstellungshalle sind und sofort Eindruck machen. Diese spektakulären Stücke sind jedoch nur der Einstieg.

Das Museum versteht sich heute ausdrücklich nicht als militärisches Heldenmuseum. Es geht um die Auswirkungen von Kriegen auf Soldaten wie auf Zivilisten – und um die politischen, gesellschaftlichen und moralischen Fragen, die damit verbunden sind. Wenn ihr mehr am Aufbau der Truppen und einem etwas dem Militär zugewandten Museum interessiert seid, schaut z.B. beim National Army Museum vorbei.

Second World War Galleries
Eine besonders spannende Ausstellung – gerade für deutsche Besucher. Während wir oft mit der „Innenperspektive“ auf die Jahre 1939–1945 aufgewachsen sind, rückt hier die britische Sichtweise in den Mittelpunkt. Themen wie der „Blitz“, also die deutschen Luftangriffe auf London, nehmen entsprechend viel Raum ein.

The Holocaust Galleries
Eine eindrucksvolle, bewegende Ausstellung, die das Thema differenziert und mit vielen persönlichen Geschichten aufarbeitet. Auch hier wird deutlich, wie stark internationale Perspektiven den Blick auf die Geschichte erweitern können.

The First World War Galleries
Hier geht es um den industrialisierten Stellungskrieg, das Leben in den Schützengräben und die gesellschaftlichen Umbrüche zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Sehr anschaulich und mit vielen Originalobjekten erzählt.

Peace and Security 1945–2014
Diese Galerie beleuchtet die Rolle Großbritanniens vom Kalten Krieg bis in die jüngere Vergangenheit – von nuklearer Abschreckung bis zu internationalen Einsätzen. Aktuellste Entwicklungen brauchen naturgemäß etwas Zeit, bis sie museal aufgearbeitet werden.

Turning Point 1934–45
Hier stehen zentrale Wendepunkte des Zweiten Weltkriegs im Fokus, etwa der D-Day oder entscheidende Entwicklungen in Nordafrika.

Darüber hinaus gibt es regelmäßig wechselnde Sonderausstellungen. Themen wie Entkolonialisierung, Unabhängigkeitsbewegungen oder aktuelle sicherheitspolitische Fragen werden hier vertieft behandelt.

Eine Übersicht über die Ausstellungen, aber auch die wechselnden Veranstaltungen, wie Lesungen oder Führungen, genau so wie über das (nicht all zu umfangreiche) Programm für Familien findet ihr hier, auf der Homepage des Museum.

Natürlich gibt es auch in diesem Museum wieder einen Shop mit themenentsprechender Ware, und ein ein Café, das zwar nicht das allergemütlichste ist, aber dennoch funktional und für eine kurze Pause ausreichend und gar nicht so teuer.

Praktisches: Anfahrt, Preise, Öffnungszeiten

Wie bei vielen großen staatlichen Museen in London ist der Eintritt frei. Für einzelne Sonderausstellungen kann allerdings ein Ticket erforderlich sein. Die regulären Öffnungszeiten liegen täglich zwischen 10 und 18 Uhr.

Das Museum befindet sich im Stadtteil Lambeth, etwas abseits der klassischen Touristenrouten, idyllisch gelegen am Geraldine Mary Harmsworth Park. Mit der Bakerloo- oder Northern Line erreicht ihr die Station Elephant & Castle, von dort sind es etwa zehn Minuten zu Fuß (-> Route). Alternativ bietet sich aus nördlicher Richtung auch Lambeth North an. Mehrere Buslinien (3, 59, 159, 344, und 360) halten ebenfalls in der Nähe.

Fazit – lohnt es sich?

Ich gebe zu: Der Name hat mich zunächst eher abgeschreckt, ebenso der erste Eindruck mit all dem schweren Militärgerät im Eingangsbereich. Doch je länger man sich im Museum aufhält, desto deutlicher wird, dass es hier nicht um Verherrlichung, sondern um Einordnung und Reflexion geht.

Gerade die großen Dauerausstellungen sind hervorragend kuratiert. Viele multimediale Elemente, persönliche Geschichten und interaktive Stationen sorgen dafür, dass man nicht nur Schilder liest und Dinge hinter Glas betrachtet. Sie ziehen dich in die Geschichte, ohne zu moralisierend zu werden. Auch wenn eine Haltung in den Ausstellungen erkennbar ist, gibt es viele Punkte und Anlässe, seine eigene Perspektive zu überdenken.

Allerdings ist das Ganze keine leichte Kost. Die Themen sind ernst, oft bedrückend. Wer sich darauf einlässt, wird aber mit einem intensiven und sehr gut gemachten Museumsbesuch belohnt. Zwei Stunden vergehen hier wie im Flug – und selbst dann hat man längst nicht alles gesehen.

Mein Fazit: Ein sehr lohnendes Museum, das man vielleicht aber nicht beim ersten London-Besuch in Augenschein nehmen muss. Seid ihr etwas geschichtsinteressiert und zum wiederholten Mal in der Stadt, ist das IWM aber ein wirklich guter Tipp.

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