Um die berühmt berüchtigte East India Company ranken sich viele Erzählungen, Gerüchte und Geschichten. Egal ob die Netflix-Produktion Taboo oder in der Pirates of the Caribbean – Saga. Die einstige mächtige Handelsgesellschaft Britanniens ist immer gut für eine spannende Story. Ausgangspunkt ihrer Macht war der Handel mit Indien und China und dort speziell auch derjenige mit Tee. Zahlreiche Schiffe waren für die Company unterwegs – so auch die Cutty Sark, die heute in Greenwich zu bewundern ist.
- Das Schiff – seine Geschichte
- Das Museum – das Schiff heute
- Anfahrt, Öffnungszeiten, Eintrittspreise
- Fazit – lohnt es sich?
Das Schiff – seine Geschichte
Die Cutty Sark hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Im Jahr 1869 wurde sie als Tee-Clipper fertiggestellt, in der schottischen Werft Scott & Linton für den Reeder John Willis gefertigt. Bereits im Jahr 1870 unternahm sie ihre Jungfernfahrt nach Shanghai, um von da an Tee von China nach London zu transportieren.
Bis 1877 bediente das 85m lange und etwa 11m breite Schiff diese Route. Allerdings wurden die Segelschiffe recht zügig von Dampfschiffen abgelöst. Durch den neu eröffneten Suez-Kanal konnten die neuen Kolosse nun mit nur 60 Tagen etwa doppelt so schnell die Ware transportieren wie die alten Segelschiffe. Entsprechend wurde die Cutty Sark kaum noch gebraucht.
Das änderte sich ab dem Jahr 1885. Von hier an änderte sich nämlich auch die Ladung. Wolle ersetzte den Tee und auf der Wollroute zwischen Australien und Großbritannien stellte die Cutty Sark einen Geschwindigkeitsrekord nach dem anderen auf – 73 Tage waren es als Bestleistung. Der große Vorteil der Segler war, dass sie – anders als die Dampfschiffe – auch ohne Zwischenstopp bin ans andere Ende der Welt kamen und dadurch relevante blieben.
Im Jahr 1895 wurde das Schiff an einen portugiesischen Reeder verkauft, für den es nur eine untergeordnete Rolle spielt und letztlich – seiner Masten beraubt – nur noch als Barkasse eingesetzt wurde. 1922 fand die mittlerweile arg gebeutelte Cutty Sark ihren Weg nach Falmouth, um repariert zu werden. Dort erkannte der ehemalige Kapitän Wilfred Dowman das Schiff, kaufte es und setzte es wieder in Stand. Von da an diente es einige Jahre als Ausbildungsschiff, bis es im Jahr 1954 nach Greenwich überführt wurde, hier fungiert es seit 1957 als Museumsschiff im eigens dafür gebauten Trockendock.
Der Name „Cutty Sark“ bedeutet übrigens so viel wie „zu kurzes Hemd“ und war angelehnt an die schöne Hexe Nannie aus dem Schottischen Werk „Tam O´Shanter“, deren kurzes Hemd gemeint ist. Entsprechend ziert die Hexe auch als Gallionsfigur auch heute noch das Schiff.










Das Museum – das Schiff heute
Aber auch seit 1957 hat sich einiges verändert. Vor Allem im Jahr 2006, als die Cutty Sark saniert werden sollte. Während der Arbeiten im Jahr 2007 brannte das Schiff fast vollständig aus. Da aber glücklicher Weise viele Teile des Clippers (wie etwa das Steuer oder jede Menge Teakholz für das Deck) ausgelagert waren, konnte er im Anschluss vollständig restauriert werden. 2012 wurde die Cutty Sark in ihrer heutigen Form und an ihrem heutigen Standort durch Queen Elisabeth wieder eröffnet.
Was bekommt man aber im Schiffsmuseum zusehen?
Im Innenraum finden sich viele Ausstellungsstücke, die die Geschichte des Trawlers erzählen. Im ersten Unterdeck ist vielen in, auf oder an Teekisten installiert, sodass man einen Eindruck von den alten Zeiten bekommen kann. Hier wird die Geschichte des Schiffes, des Tees und der East India Company gezeigt.
Das zweite Unterdeck – man arbeitet sich von unten nach oben – ist etwas geräumiger. Hier lassen sich Alte teile des Schiffes oder eine Interaktive Karte der gefahrenen Routen bestaunen.
Am imposantesten fand ich allerdings das Oberdeck. Es wurde mit seinen Kabinen sozusagen im Original belassen. So erhält man einen Eindruck, wie die Seemänner damals gelebt haben müssen. Eindrucksvoll ist dabei auch der Unterschied zwischen den Hängematten der Ränge und z.B. der Kajüte des Kapitäns. Ich wäre schon lieber Kapitän gewesen!
Ziemlich schick ist auch die Aussicht über Greenwich und die Themse. Solltet ihr etwas weiter schauen wollen und abenteuerlustig sein, könnt ihr auch einen Rig Climb buchen und für 52 bzw. 43 Pfund (inkl. Eiontritt) die Takelage hochklettern und erkunden. Immerhin ist der Hauptmast etwa 46 Meter hoch.
Am Schluss sollte man noch einmal das Café in Anspruch nehmen. Es ist unter das Schiff gebaut, der Rumpf bildet das Dach. Eine ganz abgefahrene und tolle Atmosphäre. Für 27 Pfund könnt ihr hier auch euren Afternoon Tea einnehmen.
Ganz besonders ist auch die Möglichkeit, sich eine Audiotour für das Museum auf das Handy herunter zu laden. So wird der Besuch deutlich interessanter. Diese Tour ist unter Anderem auch auf Deutsch erhältlich: https://app.smartify.org/de-DE/tours/british-sign-language-tour-of-the-cutty-sark?tourLanguage=de-DE
Weitere Fragen werden aber auch gerne von den „Characters of Cutty Sark“ beantwortet, die gut verkleidet überall auf dem Schiff zu finden sind.
Darüber hinaus finden auch immer wieder Events, Konzerte, Ausstellungen oder Ähnliches in der Cutty Sark statt. Ihr findet das aktuelle Programm auf der Homepage.








Anfahrt, Öffnungszeiten, Eintrittspreise
Die Anfahrt zum Schiff ist einfach. Ihr habt dabei mehrere Möglichkeiten. Das Einfachste und Schlauste ist es, mit der Dockland Light Railway, etwa von der Haltestelle Tower Hill Gateway aus bis zur Haltestelle Cutty Sark zu fahren. Hier gilt auch das Tagesticket der Tube. Eine Fahrt per Bus oder Taxi dauert sehr lange. Es lohnt sich übrigens, eine Haltestelle früher auszusteigen – Island Gardens. Hier beginnt nämlich der alte Fußgängertunnel, der dich unter der Themse herführt, bis man direkt vor der Cutty Sark wieder auftaucht.
Die Öffnungszeiten sind klassisch. Während ihr im Winter von 10 bis 17 Uhr das Schiff besuchen könnt, verlängern sich die Öffnungszeiten um eine Stunde auf 18 Uhr.
Der Preis für den Rig Climb lässt es vermuten: Die Cutty Sark ist kein preiswertes Vergnügen. Der Eintritt für das Schiff kostet online gebucht bereits 20 Pfund für Erwachsene (10 Pfund für Kinder). Hier lohnt es sich schon, das Explorer Ticket zu kaufen (30/15 Pfund), da sind das Royal Observatory und der 0-Meridian mit drin, die ansonsten den gleichen Eintritt wie die Cutty Sark haben.
Fazit – lohnt es sich?
Ganz ehrlich? Anders als das Royal Observatory lohnt sich die Cutty Sark schon eher für den Preis. Die Geschichte des Schiffes ist spannend erzählt, der Ausblick von Deck ist traumhaft und das Ganze drumherum ist wirklich passend.
Ich würde – wenn ich das erste Mal in Greenwich bin – immer das Explorer-Ticket buchen. Denn so erhält man einen angemessenen Kombi-Eintritt, der im Schnitt schon (für Londoner Verhältnisse natürlich) in Ordnung geht. Ansonsten könnt ihr auch die Cutty Sark mit dem London Pass besuchen. Praktisch dabei ist auch, dass man von der City bis Greenwich Pier auch mit dem Boot fahren kann – das ist mit dem Pass ebenso abgedeckt.
Besonders meine Kinder (damals etwa 5 und 7) fanden das Schiff toll und wir hatten gute etwa 1,5 Stunden beim Erkunden des alten Teeklippers. Es gibt auch deutlich mehr zu entdecken als z.B. auf der Golden Hinde.
Im Anschluss hat man noch ausreichend Zeit für andere Highlights, wie das Observatory das kostenlose National Maritime Museum oder den Greenwich Market. (s. auch den Beitrag „Ein Tag in Greenwich„)


3 Kommentare zu „Sich auf der Cutty Sark als Seemann fühlen…“