Ihr wart noch nie in London? Dann wird es aber höchste Zeit 😉
Denn ein oft unterschätztes Highlight der Stadt ist tatsächlich das öffentliche Verkehrssystem. Selten habe ich mich in einer Metropole so einfach und flexibel fortbewegen können – egal ob zu Fuß, mit Bus, Bahn oder sogar per Schiff.

Inhalt:

1. Überblick: Öffentlicher Verkehr in London

London verfügt über eines der dichtesten Nahverkehrsnetze Europas – und das merkt man sofort. Auch als Tourist kommt ihr problemlos von A nach B, oft sogar schneller und entspannter als gedacht.

Der Großteil des Systems wird von Transport for London (TfL) betrieben. Dazu gehören:

  • U-Bahn (Tube)
  • Overground
  • DLR
  • Busse
  • Teile des Bootsverkehrs

Ein großer Vorteil: ein einheitliches Bezahlsystem. Ihr könnt fast alle Verkehrsmittel mit Contactless (Kreditkarte/Smartphone) oder Oyster Card nutzen.

Das Netz ist in Tarifzonen eingeteilt. Für euch besonders relevant: Zonen 1–2 → hier spielt sich fast alles für Touristen ab. Flughäfen (Beitrag: Flughäfen hin und zurück)und einige Sehenswürdigkeiten liegen weiter außen (z. B. Heathrow, Wembley, Kew Gardens)

👉 Wichtig: Je mehr Zonen, desto teurer die Fahrt.

London Underground Overground DLR Crossrail map.svg
Von SameboatEigenes Werk, CC BY-SA 4.0, Link


2. Welche Verkehrsmittel gibt es?

🚇 Underground, Overground und DLR

Wenn ihr in London längere Strecken zurücklegen wollt, werdet ihr früher oder später in einem der Bahnsysteme landen. Und davon gibt es gleich drei – die aber wunderbar zusammenspielen und alle das gleiche Tarifsystem nutzen.

Underground („Tube“)

Die „Tube“ ist das Herzstück des Londoner Nahverkehrs – und wahrscheinlich das Erste, woran man denkt, wenn es um London geht.

Ein paar Zahlen zur Einordnung:

  • täglich im Schnitt zwischen 3,5 und 4 Millionen Fahrgäste
  • 11 Linien
  • über 272 Stationen
  • ein Schienennetz mit einer Länge von etwa 400km

Was ich persönlich spannend finde: Jede Station fühlt sich ein bisschen anders an. Mal steht ihr in einem alten Bahnhof mit 70er-Jahre-Charme (Baker Street), mal in einer hochmodernen Station wie Westminster oder Canary Wharf.

Wenn ihr schnell durch die Stadt wollt, ist die Tube fast immer die beste Wahl. Die Züge fahren im Minutentakt, und durch das dichte Netz kommt ihr fast überall hin.

Aber: Für kurze Strecken lohnt sich ein zweiter Blick. Gerade im Zentrum sind die Wege innerhalb der Stationen oft so lang, dass ihr die Strecke fast genauso schnell zu Fuß zurücklegt.

Die Tube ist im Jahr 1863 als erste U-Bahn der Welt gegründet worden. Entsprechend alt sind Teile der Infrastruktur. Das führt dazu, dass die Bahnhöfe teilweise recht eng sind (vor allem in der Rush Hour).

Und dann wäre da noch ein Punkt, den man nicht unterschätzen sollte: die Temperaturen. Gerade im Sommer wird es in einigen Linien richtig heiß – über 30 °C sind keine Seltenheit in Central oder Victoria Line. Wasser dabeihaben lohnt sich also.

👉 Tipp: Für kurze Strecken lohnt sich oft ein Blick auf die Karte mit Gehzeiten zwischen Stationen:

Overground

Wie der Name schon verrät, verläuft die Overground oberirdisch. Man kann sie am ehesten mit einer S-Bahn vergleichen, denn sie verbindet ringförmig die Außenbezirke mit dem Zentrum. Die 113 Stationen sind dabei auf ein Netz von über 100 Meilen Länge und sechs Linien (Lioness, Mildmay, Windrush, Weaver, Suffragette, Liberty) verteilt.

Ihr erreicht so etwa Camden, Shoreditch oder auch Hampstead (Beitrag: Hampstead Heath) schnell und unkompliziert. Als Teil des TfL-Verbundes fahrt ihr auch hier mit den gleichen Tickets wie bei der Tube – ohne zusätzliche Kosten.

👉 Hinweis: Wird von Touristen oft unterschätzt, ist aber extrem praktisch.

Topological route map of London Overground services Sameboat, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

DLR

Die Docklands Light Railway ist ein kleines Highlight für sich. Die Züge fahren nämlich komplett fahrerlos – und ihr könnt euch einfach nach vorne setzen und die Aussicht genießen. Entsprechend jung ist die Bahn: Gestartet im Jahr 1987 mit einer Linie und 15 Haltestellen, entwickelte sich ein oberirdisches Netz von mittlerweile 34 km und 45 Stationen.

Die Strecke führt vor allem durch die modernen Docklands bis nach Greenwich oder zum City Airport.

Wenn ihr in Greenwich den Nullmeridian oder die Cutty Sark anschauen wollt (Beitrag: Greenwich – Best of) oder vom City Airport aus nach Hause fliegt, dann ist die DLR eure Linie.

👉 Tipp: Setzt euch ganz nach vorne – beste Aussicht!

Transitdiagram of the London DLR services
Wiesenpinguin, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

🚍 Busse

Die roten Doppeldecker gehören einfach zu London dazu. Und das Beste: Sie sind nicht nur schön anzusehen, sondern auch extrem praktisch. In Zahlen:

  • 6 Millionen Fahrgäste pro Jahr
  • über 6.800 Busse
  • mehr als 700 Fahrstrecken.

Vorteile: Ihr kommt durch das dichte Netz mit dem Bus nahezu überall hin. Die roten Doppeldecker sind somit eine perfekte Ergänzung zur Tube – sowohl innerhalb der Innenstadt als auch in den Außenbezirken, in denen die Haltestellendichte der Tube abnimmt.

Das Bussystem ist nicht nur günstiger als die Tube – innerhalb einer Stunde könnt ihr kostenlos umsteigen (Hopper Fare). Außerdem eignet es sich hervorragend zum Sightseeing.

👉 Tipp: Besonders empfehlenswert sind die Linien 9, 11 und 24. So spart ihr euch die teuren „Hop-on-Hop-off“-Touristenbusse.

Nachteile: Es geht unter Umständen langsamer als mit der Tube, denn der Verkehr in London ist oft der Knackpunkt. Speziell in der Innenstadt muss man manchmal einiges an Geduld mitbringen. Aber im Urlaub seid ihr ja meist nicht in Eile.

Quelle/Copyright: Transport for London (tfl)

Besonderheiten: Die klassischen Linien haben keinen festen Fahrplan. Die Abfahrtszeiten werden meist in Intervallen angegeben (z. B. alle 9–14 Minuten).

Ähnliches gilt für das Nachtbusnetz: Zwischen 23 und 6 Uhr verkehren spezielle, mit „N“ gekennzeichnete Linien und ergänzen die ausgewählten 24-Stunden-Linien.


🚤 Uber Boat auf der Themse

Eine der schönsten Arten, London zu erleben, ist vom Fluss aus. Auf vier Linien verbinden die Thames Clippers die Battersea Power Station mit der O2-Arena in Greenwich.

Mit Preisen zwischen £5,50 und £21 handelt es sich um ein deutlich teureres Vergnügen als etwa eine Busfahrt – dafür bucht ihr hier eher ein Erlebnis als einen reinen Transport. Vor allem die Verbindung von Westminster Pier nach Greenwich lohnt sich. Zurück nehmt ihr die DLR und habt damit gleich zwei Attraktionen des TfL kombiniert.

Hier findet ihr eine Übersicht über die Linien.

👉 Tipp: Ihr könnt ganz normal mit eurer Oyster Card oder contactless bezahlen (s. unten). Erreicht ihr die Tageshöchstgrenze, wird die Schiffsfahrt zusätzlich um etwa 30 % rabattiert.


🚲 Fahrräder

Eine beliebte Ergänzung zum klassischen Nahverkehr sind die Santander Cycles, Londons öffentliches Leihfahrradsystem. Die charakteristischen roten Räder stehen an hunderten Dockingstationen (-> Karte mit Stationen) im gesamten Zentrum bereit – perfekt, um spontan von A nach B zu kommen oder kurze Strecken flexibel zurückzulegen.

Die Nutzung ist denkbar einfach: Fahrrad an einer Station ausleihen und an einer beliebigen anderen wieder abgeben. Besonders attraktiv ist das Preismodell für kurze Fahrten – genau dafür ist das System auch gedacht.

Preise & Funktionsweise (Stand: aktuell):

TarifPreisHinweis
Einzelmieteca. £1.75 pro 30 Minutenideal für kurze Strecken
Day Pass (24h)ca. £3.50unbegrenzt viele Fahrten bis 60 Minuten
E-Bike (optional)ca. £3 pro 30 MinutenAufpreis für elektrische Räder

Die erste halbe Stunde ist besonders günstig. Solange du dein Fahrrad rechtzeitig zurückgibst oder zwischendurch neu ausleihst, kannst du sehr preiswert durch die Stadt kommen.

Fazit: Santander Cycles sind vor allem für kurze Strecken eine hervorragende Ergänzung zum ÖPNV – etwa für die „letzte Meile“ oder wenn du London bei gutem Wetter etwas aktiver erkunden möchtest. Nur bedenke: Wenngleich London immer fahrradfreundlicher wird und es bereits einige Fahrradstraßen – etwa entlang der Themse – gibt, sind der Linksverkehr und das hohe Verkehrsaufkommen insgesamt eine Herausforderung.


3. Welche Tickets sind sinnvoll?

Hier die gute Nachricht: Das Ticketsystem in London ist deutlich einfacher, als es auf den ersten Blick wirkt.

Für die meisten ist Contactless die beste Lösung. Ihr haltet einfach eure Kreditkarte oder euer Smartphone beim Ein- und Auschecken an die Schranken – fertig.

Das System rechnet automatisch den günstigsten Preis aus und berücksichtigt das sogenannte „Daily Cap“. Ihr zahlt also nie mehr als den Preis einer Tageskarte.

👉 Wichtig: Achtet auf mögliche Gebühren eurer Bank. (s. Artikel: Bezahlen in London)

Preise & Daily Caps (Stand: typische Richtwerte für Zone 1–2):

SystemEinzelfahrt (Peak)Einzelfahrt (Off-Peak)Daily Cap (pro Tag)
Contactless / Oysterca. £2.80ca. £2.70ca. £8.50

Peak-Zeiten: werktags morgens bis 09 Uhr und nachmittags ab 16 Uhr; Off-Peak: sonstige Zeiten.

Eine Alternative ist die Oyster Card, eine wiederaufladbare Chipkarte. Sie funktioniert technisch ähnlich wie Contactless, muss aber vorher aufgeladen werden. Du bekommst sie entweder im Vorfeld oder direkt bei der Ankunft an einer Station.

Sinnvoll ist die Oyster Card vor allem für:

Die klassische Travelcard spielt heute nur noch eine untergeordnete Rolle und ist meist teurer oder unflexibler. Sie kann sich höchstens dann lohnen, wenn du den öffentlichen Nahverkehr sehr intensiv nutzt.

Preise Travelcard (Zone 1–2, Richtwerte):

TickettypPreisEmpfehlung
Tageskarteca. £15.20meist teurer als Daily Cap
Wochenkarteca. £42.70nur bei sehr intensiver Nutzung

Kurzfazit:

OptionVorteilNachteil
Contactlesseinfach, automatisch günstigbenötigt passende Karte/Smartphone
Oyster Cardflexibel, auch ohne Kreditkarteextra Karte nötig
Travelcardfixe Kostenoft teurer, weniger flexibel


4. Praktische Tipps für Touristen

Das waren ziemlich viele Hardfacts rund um den ÖPNV in London. Hier noch ein paar persönliche Tipps:

  • Vermeidet speziell in der Tube die Rush Hour
    Auch wenn die Preise kaum noch variieren, lohnt es sich, die Stoßzeiten zu meiden. Besonders morgens (7.70 bis 8.30 Uhr) und am späten Nachmittag (16.30 – 18.00 Uhr) ist es extrem voll, stickig und heiß. Fahrt doch stattdessen mit dem Rad oder spaziert zu Fuß durch die Stadt.
    👉 besonders voll: Central, Northern, Victoria & Jubilee Line
  • Der Klassiker: Stand Right!
    Ein einfacher, aber wichtiger Tipp: Stellt euch auf Rolltreppen immer rechts hin, damit links überholt werden kann.
    👉 Wird sehr ernst genommen! Londoner können durchaus unfreundlich werden, wenn ihr diese goldene Regel nicht befolgt.
  • Prüft die Fahrtzeiten der Züge
    Die Tube fährt fast durchgehend, aber nicht alle Linien rund um die Uhr. Informiert euch vor allem abends oder nachts über eure Verbindungen.
  • Routenplanung
    Zur Planung nutze ich fast immer Google Maps. Das liefert in der Regel sehr zuverlässige Verbindungen. Alternativen sind die TfL-Go-App oder Citymapper, die ebenfalls sehr gute Ergebnisse.

Habt ihr noch weitere Erfahrungen und Tipps? Dann lasst sie doch in den Kommentaren da!


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