Die Kuppel von St. Paul´s Cathedral ist eine Ikone im Stadtbild und die Kirche gehört zu den absoluten Klassikern im Programm. Es lohnt sich also wahrscheinlich kaum, noch einen Beitrag dazu zu verfassen. Aber vielleicht seid ihr ja noch nicht dort gewesen… für den Fall habe ich ein paar Infos für euch zusammengestellt. Und es stellt sich die Frage: Gehört St. Paul´s zu den Must Sees oder handelt es sich nur um einen Touristennepp.

  1. Worum geht´s eigentlich?
    1. Eine kleine Geschichte von St. Pauls
    2. St Paul´s heute – was erwartet mich
  2. Anfahrt, Preise, Öffnungszeiten
  3. Lohnt sich das Ganze? Mein Fazit.

Worum geht´s eigentlich?

St. Paul´s ist mit seinen weit sichtbaren Türmen eine ikonische Landmarke im Londoner Stadtbild. Besonders schön finde ich es, wenn man sich der Kirche über die Millenniumsbridge von Süden her nähert. Neben aller touristischen Nutzung ist sie aber immer noch ein aktiv genutztes Gotteshaus und der Sitz der des Bischofs Diözese London der Church of England

Eine kleine Geschichte von St. Pauls

Reisen wir ein Stück in der Zeit zurück: An der Stelle, an der St. Paul’s heute steht, wurde bereits im Jahr 604 die erste Kirche errichtet – damals noch aus Holz. Über die folgenden Jahrhunderte wurde das Gotteshaus immer wieder zerstört, neu aufgebaut und erweitert. Um 1300 wurde es schließlich zur Kathedrale erhoben und galt ab 1314 als eines der größten und eindrucksvollsten Gotteshäuser seiner Zeit.

Die Geschichte der heutigen Kirche beginnt allerdings „erst“ im Jahr 1666. In jenem Jahr brach das Große Feuer von London in der Pudding Lane aus – nur etwa einen Kilometer von St. Paul’s entfernt. Wie vier Fünftel der gesamten City of London fiel auch die Kathedrale den Flammen zum Opfer. Der Wiederaufbau wurde beschlossen, und zwar nach den Plänen eines gewissen Christopher Wren. Ironischerweise hatte Wren schon vor dem Brand Entwürfe für einen Neubau angefertigt, doch damals fehlte das Geld für eine Umsetzung. Kurz nachdem das Projekt endgültig verworfen worden war und Wren London verlassen hatte, brach das Feuer aus – und plötzlich war ein Neubau unausweichlich. Nach mehreren verworfenen Entwürfen konnte der Bau 1675 schließlich beginnen.

Wrens erster Entwurf
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1675 angenommener Entwurf
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Final ausgeführter Entwurf
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Wrens erster Entwurf1675 angenommener EntwurfSo wurde letztlich gebaut

Wren erwarb sich durch dieses Projekt so große Verdienste beim Königshaus, dass er später zum Generalarchitekten der Krone ernannt und sogar zum Ritter geschlagen wurde. Von da an verantwortete Sir Christopher Wren den Wiederaufbau der im Feuer zerstörten Stadt – darunter ganze 53 Kirchen. Wer heute durch die City of London spaziert, steht also mit hoher Wahrscheinlichkeit in einem Bauwerk Wrens, etwa auch in St. Dunstan in the East.

Doch zurück zu St. Paul’s: Der Neubau wurde im Stil des englischen Barocks errichtet. Die Kathedrale misst 158 Meter in der Länge und besitzt den Grundriss eines lateinischen Kreuzes. Acht Bögen tragen die Haupthalle sowie die berühmte Kuppel, die stolze 111 Meter hoch ist und über 528 Stufen erklommen werden kann. Mehr oder weniger im Geheimen schmuggelte Wren drei Ananas-Ornamente in die Türme ein. Anfangs wenig geschätzt, wurde die exotische Frucht später zu einem beliebten Symbol für Offenheit, Wohlstand und Status – und fand ihren Weg in viele weitere Bauten. (Hier findet ihr einen interessanten Artikel dazu auf Londonist.com).

Bereits 1710 war der Bau abgeschlossen (manche Quellen nennen auch 1708). Wren selbst erlebte die Fertigstellung noch – ein Glücksfall, denn bei Projekten dieser Größenordnung war es eher üblich, dass die Eröffnung erst unter den Nachfolgern stattfand. Wren war beim Großen Feuer 1666 gerade einmal 34 Jahre alt und konnte so noch viele Jahre an „seinem“ Werk wirken.

In den folgenden Jahrhunderten wurde die Kathedrale mehrfach renoviert. Besonders im 19. Jahrhundert erhielt das Kirchenschiff aufwendige Gemälde und Schnitzereien. Während des Zweiten Weltkriegs wurde St. Paul’s zwar schwer getroffen – Bombenangriffe 1940 und 1941 beschädigten das Gebäude erheblich –, doch blieb die Kathedrale insgesamt verschont. Eine Zeitzünderbombe konnte sogar rechtzeitig entschärft werden. In den 1950er- und 1960er-Jahren wurde St. Paul’s umfassend restauriert und präsentiert sich seither in der Gestalt, die wir heute kennen.

St Paul´s heute – was erwartet mich

Auch heute erfreut sich St. Paul’s ungebrochener Beliebtheit und zieht täglich unzählige Besucherinnen und Besucher an. Zu entdecken gibt es eine ganze Menge: Das prächtige Hauptschiff mit seinen Malereien, Kapellen, Verzierungen und der berühmten Orgel ist nur der Anfang. Überall in der Kathedrale finden sich kleine Kunstwerke und Details, die einen zweiten Blick lohnen.

Um all das wirklich würdigen zu können, empfehle ich entweder den kostenlosen Audioguide – oder, noch besser, eine der kurzen Führungen, die alle 15 Minuten angeboten werden. In rund 45 Minuten erfährt man dabei nicht nur Spannendes über den Bau, sondern auch viele kleine Anekdoten. Besonders bewegend ist zum Beispiel das „American Memorial Book“ im hinteren Teil der Kirche: ein Gedenkbuch mit den Namen aller im Zweiten Weltkrieg gefallenen US-Soldaten. Täglich wird eine Seite weitergeblättert, sodass jeder Name sichtbar wird – ein Ritual, das sich alle anderthalb Jahre wiederholt. Für die Führungen müsst ihr euch übrigens nur am „Desk“ in der Nähe des Eingangs anmelden; dort gibt es dann auch den Aufkleber für eure Tour.

Wer die Treppen nicht scheut, sollte unbedingt den Turm mit der großen Kuppel besteigen. Drei Ebenen warten hier:

  • Whispering Gallery (30 m Höhe): Mit einem Durchmesser von 34 Metern erlaubt sie einen tollen Blick ins Kirchenschiff. Dank der besonderen Akustik kann man einander sogar über die gesamte Galerie hinweg zuflüstern.
  • Stone Gallery (52 m Höhe): Nach 376 Stufen belohnt ein großartiger 360°-Blick über die Stadt.
  • Golden Gallery (111 m Höhe): Deutlich kleiner, aber umso eindrucksvoller. Hier oben habt ihr den wohl spektakulärsten Rundumblick Londons. Der Aufstieg lohnt sich in jedem Fall – wenn man schon so weit gekommen ist, sollte man auch die letzte Etappe nehmen.

Ein Abstecher führt euch auch in die Krypta – den unterirdischen Teil der Kathedrale. Sie dient nicht nur als Ausgang, sondern ist zugleich Grabstätte zahlreicher bedeutender Persönlichkeiten: Hier ruhen unter anderem der Duke of Wellington, Admiral Lord Nelson und der Maler William Turner. Auch Sir Christopher Wren selbst hat hier seine letzte Ruhestätte gefunden – in „seiner“ Kathedrale.

Darüber hinaus beherbergt die Krypta einen Souvenirshop sowie ein Café. Mein persönlicher Tipp: die Scones – wirklich lecker!

Neben den Dauerschätzen bietet St. Paul’s auch immer wieder Sonderausstellungen. Bei meinem letzten Besuch war gerade eine Ausstellung über die sogenannten Fire Watchers im Zweiten Weltkrieg zu sehen – Zivilisten, die während der Bombenangriffe auf den Galerien Wache hielten und sofort eingreifen konnten. Wie durch ein Wunder kam keiner von ihnen beim Blitz ums Leben. Früher gab es auch bereits eine Sonderausstellung zu Christopher Wren – und viele weitere Themen aus der langen Geschichte der Kathedrale. Auch andere Veranstaltungen finden immer wieder dort immer wieder statt. Was wann genau läuft, findet ihr hier.

Anfahrt, Preise, Öffnungszeiten

Die Anfahrt zu St. Paul´s mit der Tube ist einfach. Nutzt einfach die Central Line bis zur gleichnamigen Haltestelle. Von dort aus müsst ihr an der Kathedrale entlang noch 5-7 Minuten westwärts laufen (z.B. durch den ganz schönen Garten), um zum Hauptportal zu gelangen. Reist ihr mit der Circle oder District Line an, ist Mansion House eure Haltestelle. Folgt dann der Canon Street westwärts.

Auch die Bushaltestelle wurde nach der Kirche benannt und je nachdem, welche Linien ihr nutzt, kommt ihr an unterschiedlichen Stellen aus. Vor dem Eingangsportal halten etwa die 15, die 17 oder die Linie 26. Habt ihr vorher etwa dem Shakespear Globe oder der Tate Modern einen Besuch abgestattet, lauft ihr über die Millenniumsbridge und erreicht die Kirche nach wenigen Minuten zu Fuß.

Preise sind auch in diesem Fall ein großes Thema. Wie so oft sind die Londonder Topattraktionen entweder kostenlos oder recht teuer. In diesem Fall gilt das letztere Modell. Ihr seid derzeit mit £ 26 / 30€ dabei (Kinder £ 10 / 1,50€), wenn ihr über die Homepage bucht. Das ist nicht wenig. Gruppentickets sind etwas günstiger. Kostenlos ist für euch allerdings der Eintritt, wenn ihr als „disabled“ geltet – also einen Behindertenausweis mit euch führt. Allerdings gilt das Ticket nicht für die Kuppel, sondern nur für den Chor und die Krypta. Eine Alternative wäre noch, wenn ihr zu Gottesdiensten geht (Hier findet ihr eine Terminübersicht). Diese sind auch kostenfrei und ihr habt im Anschluss die Chance, die Kirche und die Krypta zu sehen – allerdings hier auch ohne einen Zugang zur Kuppel. St. Paul´s ist mittlerweile aber auch in den großen Städtepässen inbegriffen. Wenn ihr also etwa den Londonpass oder den Go City Pass erworben habt, lohnt sich ein Blick in die Kirche, gehört sie doch durchaus zu den kostspieligeren Sights.

Grundsätzlich geöffnet ist die Kirche für Touristen montags bis samstags von 8.30 bis 16.30 Uhr. Letzter Eintritt ist ab 16 Uhr.

Lohnt sich das Ganze? Mein Fazit.

Es hat bei mir eine ganze Zeit gedauert, bis ich mich dazu entschieden habe, die Kirche zu besichtigen. Ich war bisher zwei mal dort. Einmal mit meiner Frau im Rahmen der Nutzung des Londonpass und einmal mit meinem älteren Sohn ohne einen solchen Pass. Beide Male war ich durchaus von der Kirche beeindruckt. Sowohl Führung als auch Audioguides sind gut und nicht zu überladen, sodass man auch nach einem langen Tag noch ganz gut folgen kann. Aber ich bleibe dabei: die Führungen sollte man mitgemacht haben!

Neben der Tour ist mein persönliches Highlight wirklich die Golden Gallery. Es ist schon ein toller Ausblick. So weit oben – und das ohne schützende Glasfassade, sodass einem der Wind um die Ohren saust – hat an einfach einen wunderschönen Ausblick auf die Gegend, aber auch St. Pauls selber. Man bekommt einen noch besseren Eindruck von der ganzen Bauweise der Kirche und wie Aufwändig der Bau gewesen sein muss.

Zwei bis drei Stunden könnt ihr in St. Paul´s recht einfach verbringen. Und wenn man ein wenig Interesse an Geschichte hat und keine Höhenangst, ist das Eintrittsgeld wohl zu verschmerzen. Ich kann euch nur ans Herz legen, zu versuchen, Tickets für die Randstunden zu buchen. Es kann – trotz der Größe der Kirche – zwischenzeitlich schon recht voll werden. Vor Allem zu den klassischen Zeiten rund um Ostern oder im Herbst.

Um also zur Ausgangsfrage zurückzukehren: Must See oder Touristennepp? Es ist beides nicht. Ein Touristennepp ist es auf keinen Fall. Ihr bekommt für euer Geld echt etwas geboten. Ob es ein „Must See“ ist, weiß ich nicht genau zu beantworten. Unter den obigen Voraussetzungen vielleicht, aber erst beim zweiten oder dritten Besuch :)

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