Heute möchte ich mich einem der absoluten Klassiker der Britischen Hauptstadt widmen. Im Jahr 2025 haben etwa 6,5 Millionen Menschen das British Museum besucht (Quelle: WDR). Damit ist es in dem Jahr die bestbesuchteste Sehenswürdigkeit Londons. Und da sich so viele Menschen nicht irren können, muss es doch gut sein. Oder?



Was erwartet mich?
Ein kleiner historischer Abriss
Das British Museum blickt auf eine fast 300-jährige Geschichte zurück. Es wurde im Jahr 1753 gegründet und war damit das erste öffentliche Museum Londons – und eines der ersten weltweit. Seine Grundlage bildete die umfangreiche Sammlung des Arztes, Naturforschers und Sammlers Sir Hans Sloane, der dem Staat rund 71.000 Objekte vermachte, darunter Bücher, Münzen, Manuskripte, Naturalien und Kunstgegenstände.
Ursprünglich war das Museum im Montagu House im Londoner Stadtteil Bloomsbury untergebracht. Doch mit dem stetigen Wachstum der Sammlung wurde schnell klar, dass größere Räumlichkeiten notwendig waren. Mitte des 19. Jahrhunderts, genauer gesagt 1857, wurde das heutige Museumsgebäude eröffnet – ein klassizistischer Bau mit markanter Säulenfassade und großzügigem Innenhof.
Im Laufe der Zeit veränderte sich nicht nur der Umfang der Sammlung, sondern auch ihr thematischer Schwerpunkt. Insbesondere nach der Niederlage Napoleons in Ägypten im Jahr 1801 gelangten bedeutende Funde wie der Stein von Rosetta in britischen Besitz – ein Schlüsselexponat, das später die Entzifferung der Hieroglyphen ermöglichte. Auch durch das britische Kolonialreich kamen zahlreiche Exponate aus Afrika, Asien und dem Nahen Osten nach London.
Aufgrund des Platzmangels wurden im 19. und 20. Jahrhundert wichtige Abteilungen ausgegliedert. So entstand das Natural History Museum (1881) für die naturkundlichen Sammlungen, während die umfangreiche Bibliothekssammlung später in die British Library (offiziell seit 1973 eigenständig) überführt wurde.
Mit dem Umzug der Bibliothek wurde im Herzen des Museums viel Raum frei. Dies ermöglichte den Bau des beeindruckenden Großen Innenhofs (Great Court), entworfen vom renommierten Architekten Sir Norman Foster. Seit der Eröffnung im Jahr 2000 ist die lichtdurchflutete Halle mit ihrer ikonischen Glaskuppel das neue Zentrum des Museums – der alte Lesesaal blieb dabei als architektonisches Herzstück erhalten. Das Dach besteht aus exakt 1.656 unterschiedlich geformten Glasdreiecken, die sich wie ein Netz über den Innenhof spannen.





Das British Museum heute
Heute zählt das British Museum zu den bedeutendsten kulturhistorischen Museen der Welt. Die Sammlung umfasst rund 8 Millionen Objekte – zwar ist nur ein Bruchteil davon ausgestellt, doch das Spektrum ist gewaltig. Besucherinnen und Besucher können in folgenden Abteilungen auf Entdeckungsreise gehen:
- Frühgeschichte und Europa
- Naher Osten
- Altes Ägypten und Sudan
- Griechische und römische Antiken
- Afrika, Ozeanien und Amerika
- Asien
- Münzen und Medaillen
- Drucke und Zeichnungen
Hier erhaltet ihr einen Ein- und Überblick. Neben der beeindruckenden Dauerausstellung bietet das Museum regelmäßig wechselnde Sonderausstellungen, die spezielle Themen vertiefen – oft begleitet von Veranstaltungen, Vorträgen oder Workshops.
Gleichsam findet ihr – wie in jedem Museum – den obligatorischen Museumsshop sowie ein Restaurant, das im Innenhof platziert ist und somit eine besondere Atmosphäre hat (wenngleich es hier oft voll ist).
Publikumsmagnete
Zu den Highlights gehören zweifellos die ägyptischen Mumien, die jedes Jahr Millionen von Besucher:innen anziehen. Doch die Ausstellung zeigt weit mehr als nur Mumien: Grabbeigaben, Alltagsgegenstände, Stelen und Skulpturen vermitteln ein eindrucksvolles Bild des altägyptischen Lebens und Glaubens.
Ein weiterer Besuchermagnet ist die griechische Sammlung, zu der unter anderem die berühmte Büste des Perikles, der kunstvoll bemalte Euphorbos-Teller sowie Teile des Parthenon-Frieses (auch bekannt als Elgin Marbles) gehören.
Auch die Benin-Bronzen aus dem heutigen Nigeria sind faszinierende Kunstwerke – ihre Geschichte allerdings ist umstritten, da viele von ihnen im Zuge britischer Militäraktionen Ende des 19. Jahrhunderts nach London gelangten.



















Digital entdecken
Wer sich schon vor dem Besuch oder ganz bequem von zuhause aus mit dem Museum beschäftigen möchte, hat zwei hervorragende Möglichkeiten:
🔊 Podcast – In einer 20-teiligen Reihe sprechen Kurator:innen und Expert:innen über Objekte, Themen und Geschichten aus dem Museum:
👉 https://www.britishmuseum.org/the-british-museum-podcast
📚 Museumsblog – Hier finden sich Hintergrundberichte, Interviews und spannende Einblicke hinter die Kulissen:
👉 https://www.britishmuseum.org/blog
Ein Museum im Spannungsfeld
So beeindruckend das British Museum auch ist – es steht seit Jahren im Zentrum kontroverser Debatten. Viele der ausgestellten Objekte gelangten während der Kolonialzeit oder durch militärische Konflikte in den Besitz des Museums. In diesem Zusammenhang werden immer wieder Forderungen nach Restitution laut, etwa im Fall der Benin-Bronzen oder des Parthenon-Frieses.
Das Museum betont zwar seine Rolle als Bildungsinstitution mit weltweitem Zugang, doch die ethische Diskussion um Raubkunst und koloniale Provenienz wird international weitergeführt – ein Thema, das zu einem bewussteren und kritischeren Museumsbesuch beitragen kann.mer noch anhaltenden Diskussion um Raubkunst immer wieder kritisch angemerkt wird.
Anfahrt, Öffnungszeiten, Eintritt
Das British Museum findet ihr auch heute noch im Stadtteil Bloomsbury. In der Great Russel Street befindet sich der Haupteingang, durch den ihr gelangt, wenn ihr ein Ticket vorgebucht habt.
Mit der Tube gelangt ihr etwa mit der Central– oder Piccadilly Line bis zur Haltestelle Holborn. Von dort aus sind es etwa 5-10 Minuten zu Fuß. Eine Tube-Alternative ist die Haltestelle Tottenham Court Road. Hierhin gelangt ihr mit der Northern-, der Central– und der Elisabeth Line. Von dort aus handelt es sich um einen unwesentlich längeren Fußmarsch zum Museum (8-15 Minuten in etwa). Busmäßig bedienen die Linien 8,19, 38, 55, 98, 188 und 242 die Haltestelle Museum Street, direkt vor das British Museum – nämlich zur gleichnamigen Haltestelle – bringt euch die Linie 14. Ihr seht: ÖPNV-technisch ist das Museum sehr gut angebunden.
Das Museum ist täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet, freitags sogar bis 20.30 Uhr. Allein an den Weihnachtstagen bleiben die Pforten geschlossen.
Entsprechend könnt ihr relativ gut euer Ticket buchen. Das Museum ist zwar kostenlos, aber es ist dennoch sinnvoll, die Ticket zu buchen. Ihr erhaltet mit ihnen zusammen einen bestimmten Zeitslot, mit dem ihr Einlass erhaltet. Man kann zwar auch ohne Ticket einen Versuch wagen, aber ihr lauft Gefahr, dass ihr nicht mehr rein kommt, wenn zu viele Menschen im Museum sind. Ihr braucht mehr als 10 Tickets oder habt weitere Fragen? Dann schaut hier auf der Webseite des Museums vorbei.





Lohnt es sich?
Das Museum ist für jeden beeindruckend, unabhängig davon, wie sehr man an historischen Zusammenhängen interessiert ist. Allein der imposante Bau und der ikonische Innenhof machen einen Besuch des Museums absolut zum Teil des Londoner Pflichtprogramms. Egal ob mit Kindern oder als Besuch einer Erwachsenengruppe, das Museum hat für jeden etwas zu bieten. Zwar sind die Highlights, wie etwa die Mumien, stets gut besucht, aber es lohnt sich dennoch. Aber: passt auf eure Kinder auf. Das Museum hat Labyrinth-Charakter – man kann an wirklich vielen Stellen in unterschiedlichste Säle abbiegen, die ähnlich aussehen.
Wenn ihr digital gestützt auf gehen wollt, empfehle ich euch die Audio–App des British Museums (hier findet ihr die Links in die verschiedenen App-Stores). Mit ihr könnt ihr tiefer in die Geschichte und die Hintergründe der Exponate eintauchen.
Und letztlich ist es auch völlig gleich, wie lange man für das Museum einplant. Egal, ob ihr ach 1,5 Stunden satt seid, oder gerne einen ganzen Tag dort verbringt. Ihr werdet sowieso nicht fertig damit, alles zu sehen und zu erkunden. Es gilt: wiederkommen erwünscht.
Man merkt es vielleicht: so sehr das Museum auch zum Standard-Touristenprogramm gehört, so sehr mag ich es auch und würde es jedem ans Herz legen, der ansatzweise ein Museum besuchen mag. 5/5 Sternen ⭐️ ⭐️ ⭐️ ⭐️ ⭐️