Zugegeben: Dieser Beitrag stammt ein wenig aus dem Bereich „Special Interest“. Aber es gibt sicherlich einige Gitarristen (und Bassisten), für die Gibson mehr als das Zuspachteln von Wänden ist (entschuldigt das schlimme Wortspiel). Im Ernst: Die Gitarrenfirma Gibson hat sich in London einen eigenen Showroom gegönnt, der für Musiker durchaus einen Besuch wert sein könnte!
Was erwartet mich?
Für alle, die neu in der Materie sind: Die Gitarrenfirma Gibson ist eine der bekannten Marken in dem Metier. Gitarren der Modelle Les Paul, SG oder Explorer schrieben Gitarrengeschichte und waren Stilbildend. Bis Anfang 2024 betrieb das Unternehmen nur am Firmensitz in Nashville einen Showroom, der ausschließlich die eigenen Modelle ausstellt. Das hat sich im Frühjahr des Jahres geändert.
Nachdem Gibson an der Location bereits ein Büro betrieb, in dem etwa die Versorgung großer Bands aus Übersee mit Leihgeräten für die Europatour geplant und koordiniert wurde, überlegten sich die Instrumentenschrauber aus Tennessee , dass bei so viel Platz in dem Gebäude, auch die Öffentlichkeit mit ins Boot geholt werden konnte und eröffnete den ersten und einzigen reinen Gibson-Shop außerhalb der Gründungsstadt.
In dem Shop ist das Erdgeschoss für die etwas teureren Gibson-Modelle reserviert, im Untergeschoss findet man die günstigeren Epiphone-Serien sowie die von Gibson gekaufte 80er-Jahre Metalgitarrenmarke Kramer. Dabei macht es keinen Unterschied, ob eine Gitarre 500 oder 10.000 Pfund kostet. Alle können angetestet werden. Das Personal ist dabei sehr hilfreich und zuvorkommend, aber nicht aufdringlich. Gespielt wird – wie soll es anders sein – über die hauseigenen Verstärker von Mesa Boogie. Dabei könnt ihr euch natürlich alle Instrumente auch nach Hause schicken lassen, wenn ihr im Flugzeug einen Gitarrenkoffer nicht mitbekommt.
Einige Instrumente dienen auch als Ausstellungsstücke. So seht ihr hinter Glas zum Beispiel einen Nachbau der Les Paul Greeny des Metallica-Saitenhexers Kirk Hammett. Diese Gitarre umweht ein Hauch von Geschichte. Sie wurde entworfen und gebaut für Peter Green, Gitarrist der Band Fleetwood Mac. Dieser verkaufte sie irgendwann dem damals noch unbekannten Gary Moore (noch mit der Band Thin Lizzy auf der Bühne). 2006 wiederum bot Moore die Gitarre aus finanziellen Gründen für kolportierte 750.000 bis 1,3 Mio Dollar an und ein Sammler kaufte sie ihm ab. So verschwand das gute Stück in der Versenkung, bis sie Kirk Hammett 2014 auf Anraten der Led Zeppelin-Legende Jimmy Page kaufte und sie seitdem auch wieder aktiv spielt. Hier lest ihr die gesamte Geschichte.
Neben den Instrumenten findet ihr natürlich auch alle möglichen Devotionalien. T-Shirts, Caps, Hoodies und alles, was das Sammlerherz begeht. Nur eines. Das gibt es nicht: Gitarren-Plektren.











Adresse, Eintritt, Öffnungszeiten
Ihr findet den Laden im Herzen der City, in einer Parallelstraße zur Oxford Street, ganz in der Nähe des Oxford Circus.
Und das ist im Prinzip auch die beste U-Bahn-Station, die ihr nutzen könnt. Bekanntermaßen ist diese mit der Central Line, der Bakerloo – und Victoria Line gut angebunden und prima zu erreichen. Auch zahlreiche Busse fahren dorthin.
Natürlich kostet der Laden keinen Eintritt. Das wäre ja noch schöner. Aber ihr könnt täglich zwischen 10 und 19 Uhr vorbei schauen. Sonntags allerdings nur zwischen 12 und 18 Uhr.







Lohnt es sich?
Ein ganz klares Ja. Gitarrenfreunde können sich in dem Laden schon einige Zeit aufhalten (bei mir zum Leidwesen meiner Frau). Es gibt so viele tolle Instrumente zu bestaunen und anzuspielen. Und auch das Fachsimpeln mit dem wirklich gut geschulten Personal macht Spaß. Also: Ein absoluter Besuchstipp für Gitarristen (und Bassisten).
Falls ihr allerdings auf der Suche nach Schnäppchen seid, werdet ihr hier nicht fündig. Die Preise im Shop sind identisch zu denen der großen Player. Das ist – so erklärte es mir ein Mitarbeiter – grundsätzliche Firmenpolitik, um den Händlern keine ernsthafte Konkurrenz zu machen. Dennoch merkt man aber am Ganzen Drumherum, dass der Laden keinen Gewinn abwerfen muss, sondern eher Werbung für die Marke machen soll.
Cool ist auch, dass regelmäßig kleine Auftritte von Musiker*innen und Bands im Keller stattfinden. Ich hatte leider keine Zeit, darauf zu warten. Meist sind die Konzerte gegen 14 Uhr. Da muss man aber noch einmal recherchieren. Die Webseite selber ist da wenig hilfreich. Wenn man richtig Glück hat, ist eine bekannte Band dabei. So gaben am 2. Juni etwa die US-Indi-Rocker von Tool ihr Stelldichein, gaben ein kurzes Konzert und stellten sich den Fragen den Besucher*innen.
Ach ja…. wenn ihr kein Plektrum dabei habt, bekommt ihr dort eines von den Verkäufern. Das ist der einzige Weg, um an die exklusiven „Gibson Garage“ – Plektren zu gelangen!
2 Kommentare zu „Gibson Garage London: Ein Paradies für Gitarristen und Bassisten“